Ukraine

Wildcampen am Schwarzen Meer und die erste brenzlige Situation

Wir erreichten Odessa recht spät. Nachdem wir uns durch den Stadtverkehr geschoben hatten, stellten wir fest, dass man mit dem Van nicht bis zum Strand fahren konnte. Eigentlich hatten wir in der Stadt einen Platz für die Nacht gesucht, aber auf einem Betonparkplatz oberhalb des Strandes, der dazu auch noch sehr touristisch genutzt war, wollten wir dann irgendwie doch nicht bleiben. Es soll sich nicht überheblich anhören, aber wir suchen, besonders für die Nächte lieber ruhigere Orte, an denen Senta sich ungestört und frei bewegen darf und wir nicht umgeben von mittelmäßiger Party-bums-Musik und künstlichen Beachbars mit ebenso künstlichen Besuchern sind.

Also noch mal rein ins Auto und weiter fahren… Richtung Tschornomorsk. Mit Hilfe der iOverländer App hatten wir einen vielversprechenden Ort an der Küste entdeckt. Nach weiteren anderthalb Stunden Fahrtzeit kamen wir an. Und es hatte sich wieder einmal gelohnt! Ein atemberaubender Blick von einer Steilküste über das in der Abendsonne glitzernde Meer empfing uns und aller Unmut über die lange Fahrt war wie weggeblasen. Beflügelt und voller neuer Energie holten wir den Grill aus der Dachbox hervor und genossen einen lauen Sommerabend am Meer mit einer unbezahlbaren Aussicht und Ruhe.

Der nächste Tag hielt ein bisschen Action für uns bereit. Zunächst ging es ganz gemächlich los. Mit einem unglaublichen Blick aus dem Bett übers Meer bei strahlendem Sonnenschein. Wir beschlossen noch einmal in das nahe gelegene Städtchen Tschornomorsk zu fahren um einige Dinge, wie den Gang zum Postamt und einen Einkauf zur Auffrischung unserer Vorräte vorzunehmen. Auf dem Rückweg hielten wir bei einem der vielen Melonenhändler, die direkt an den Melonenfeldern stehen und frisch ab Feld verkaufen an um uns eine köstliche Wassermelone zu gönnen.

Damit wollten wir ab zum Strand. Der steile Pfad nach unten konnte unseren Wagemut nicht schmälern und wir waren neugierig, ob Don Busso sich als strandtauglich erweisen würde. Natürlich standen bereits einige Ukrainer mit ihren Autos direkt am Wasser und auch wir waren angefixt. Runter war auch erst mal gar kein Problem, auch wenn wir da erst bemerkten, wie steil der Weg wirklich war… Auch ein Platz am Strand war schnell gefunden und wir verlebten einen entspannten Tag und genossen das herrlich klare und saubere Wasser, den mäßig besuchten Strand und die Sonne. So viel Glück!

Gegen frühen Abend wollten wir jedoch wieder hoch auf die Steilküste um von oben den herrlichen Blick über das Meer beim Abendessen genießen zu können. Gut gelaunt und entspannt stiegen wir in den Bus und fuhren los. Das heißt, wollten losfahren. Zwei, drei Meter und Ende im Gelände. Wir steckten fest. Die Räder gruben sich tief in den Sand und wir konnten keinen festen Boden erreichen. Schnell kamen uns eine ukrainische Familie zur Hilfe, als sie unsere missliche Lage bemerkten. Gemeinsam schoben wir Don Busso mit aller Kraft vorwärts und rückwärts und wieder vor und zurück, immer Stückchen für Stückchen, und hatten uns tatsächlich bald aus dem Sand gearbeitet und wieder festen Grund unter den Rädern. Was für eine Erleichterung.

Nun aber kam erst die richtige Herausforderung. Der Weg hinauf. Mit etwas Anlauf und schön im ersten Gang versuchten wir den steilen Weg hinauf zu fahren. Die Hälfte war fast geschafft, als an der steilsten Stelle der Motor abwürgte und wir rückwärts rollten. Schöne Sch****! Es war nichts zu machen. Don Busso hatte nicht genug Kraft um seine ca. 2,5 Tonnen diese Steigung hinauf zu wuchten. Und nu? Jetzt war guter Rat teuer, denn wer sollte uns den Hang hinaufziehen? Weit und breit keine geeigneten Fahrzeuge in Sicht. Die hilfsbereiten Ukrainer standen uns tapfer und tröstend beiseite, aber viel ausrichten konnten sie auch nicht. Auch die Versuche des Mannes den Berg hoch zu fahren scheiterten und Don Busso kam bedenklich ins Rutschen. Immer mehr hilfsbereite Männer erkannten unsere Notlage und bald hatte sich ein echter Hilfstrupp aus fünf starken Kerlen gebildet, die darüber fachsimpelten, wie man unseren Bus nun diesen verdammten Hang hoch bekäme. Es wurde alles versucht: rückwärts, vorwärts, im zweiten Gang mit Anlauf und ohne. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit das Ganze von unten am Hang zu beobachten und mehr als einmal ist mir das Herz in die Hose gerutscht, als Don Busso scheinbar den Halt verlor und rasant einige Meter rückwärts oder seitwärts den Hang hinab schlitterte. Mittlerweile war unser Problem längt Sache des ganzen Strandabschnitts geworden und wer nicht aktiv am Bus mit half, stand zumindest unten und fachsimpelte darüber wie es gehen könnte…Er war einfach zu schwer und vermutlich auch zu hoch um aus eigener Kraft den steilsten Punkt des Hanges zu meistern.

Also das Gewicht reduzieren. Alle Kisten und schweren Sachen wurden aus dem Bus geräumt und schließlich, in einem gemeinsamen Kraftak, indem er mit Anlauf den Hang bis zum steilsten Punkt schaffte und dann alle Kerle gleichzeitig hinrannten und ihn über den verflixten steilen Abschnitt schoben, schaffte es Don Busso doch noch bis nach oben! Was für eine Erlösung! Wir fielen einander in die Arme und waren so unendlich froh und DANKBAR für die unglaubliche Hilfe und den Einsatz der Menschen! Der letzte Adrenalin Kick half noch die schweren Kisten den Hang hoch wieder zum Bus zu schleppen und selbst hierbei halfen die Männer mit. Wow. Wir waren überwältigt! Es ist ein so unglaublich erhebendes Gefühl, dass es doch überall Menschen gibt, die so hilfsbereit sind und für wildfremde Menschen so viel Einsatz zeigen. Man ist nicht allein und überall wird einem geholfen, wenn man ein Problem hat.

Als das Adrenalin nach dieser abenteuerlichen Aktion nachließ waren wir doch ein bisschen geschockt und froh das alles so gut ausgegangen war. Nun kennen wir die Grenzen der Offroad- und Strandtauglichkeit von Don Busso besser und können zukünftig besser einschätzen wann Schluss für uns ist.

Der Abend und der nächste Tag verliefen sehr entspannt und ohne Experimente. Wir genossen die Umgebung, trieben Sport und legten, als es zu regnen begann einen Büro Nachmittag ein. Am nächsten Tag wollten wir aufbrechen nach Transnistrien, einem Land, dass es streng genommen gar nicht gibt. Nicht ohne allerdings noch den Vormittag mit Sonne, Strand und Meer zu genießen.

09.07.2019-12.07.2019

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