Türkei mit Hund

Türkei mit Hund

Reisen in der Türkei mit Hund kann ich leider nicht empfehlen. Es ist wirklich das ERSTE Land in dem wir Probleme hatten.

Die türkischen Hunde

Es gab in der Türkei mit Hund leider einige Vorfälle mit den dortigen Straßen- und Hofhunden, die meist von stattlicher Natur und Mixe oder reinrassige Vertreter der Rasse Kangal sind. Diese Herdenschutzhunde sind dafür gemacht, auf sich allein gestellt, in den türkischen Bergen das Vieh gegen Wölfe, Bären und Diebe zu verteidigen. Und so sehen sie auch aus. Aber nicht nur ihre Erscheinung ist imposant. Kangals sind unglaublich intelligent, menschenbezogen, selbstständig und TERRETORIAL (aggressiv). Und genau das müssen sie, bei der Ausübung ihres Jobs, natürlich auch sein.

Auf diese Rasse sind die Menschen in der Türkei unglaublich stolz. Zu Recht, wie ich finde. Entsprechend viele Vertreter dieser Rasse laufen allerdings, auch dank mangelnden Straßenhunde-Managements (Kastrationsprogramme und Tierheime sind die absolute Ausnahme) mehr oder weniger frei herum. Meist haben sie Territorien und gelten als „Gemeingut“. Der Hund, der also vor meinem Laden liegt, gehört mir nicht und ich muss mich nicht um ihn kümmern, aber man füttert ihn, toleriert ihn und freut sich über den Schutz, den er als Wachhund bietet. Und in der Türkei gibt es viele Läden. Sehr viele.

So hat ein Rüde, oder rein Rudel meist ein bis zwei Läden, eine Straßenecke oder einen Straßenzug als Revier. Soweit so gut. Einer wäre nicht das Problem, ein Rüde erst recht nicht. Aber wenn JEDER Straßenzug, JEDER Laden und JEDE Ecke von einem anderen Hund/Rudel beansprucht wird, kommt man mit einem fremden Hund wirklich in Raumnot. Auf den Dörfern ist es schlimmer als in den Städten.

Sobald man deren Territorium verlassen hat, lassen sie von einem ab, aber es gehört schon eine ordentliche Portion Mut dazu, an einem bellenden Wachhund, der nicht an der Kette liegt, vorbei zu marschieren und darauf zu hoffen, dass es bei Scheinattacken bleiben wird. Bei einem ganzen Rudel würde ich das nicht ausprobieren.

Ich bin ein Hundemensch. Ich suche nicht die Schuld beim Hund. Aber ein „arbeitsloser“ Kangal, bzw. einer der unterfordert ist, oder gänzlich auf der Straße lebt, sucht sich eine Beschäftigung und da kommt so ein dahergelaufenes Touristen-Hündchen, als Eindringling, gerade recht.

Es war nicht alles schlecht

Wir hatten ohne Zweifel auch tolle Begegnungen mit diesen Riesen. Einer war so verliebt in Senta, dass er drei Tage und Nächte lang vor unserem Häuschen, in dem wir Weihnachten, in den türkischen Bergen, verbracht haben, campierte und herzerweichend winselte, wenn Senta sich blicken ließ. Und der war groß wie ein Pony.

Senta wurde aber leider einige Male von Hunden, meist wenn das ganze Rudel ankam, attackiert. Und wenn einer dieser Art zubeißt, dann sitzt das. Ernsthafte Verletzungen entstehen schnell. Die meisten Straßenhunde haben deutliche Narben und Spuren im Gesicht und am Körper, die von den ernstgemeinten Auseinandersetzungen zeugen.

Die Hunde werden in der Türkei von jedem gefüttert und sind daher sehr distanzlos. Es gibt leider viele zugemüllte Stellen und, besonders an den Müllcontainern, werden Knochen und Essenreste extra für die Straßentiere ausgelegt und täglich aufgefüllt.

Das macht den Freigang mit einem „Staubsauger-Hund“, wie Senta es ist, zusätzlich fast unmöglich. Definitiv aber sehr unentspannt.

Die Hunde sind zu Menschen sehr freundlich, wissen sie doch, dass es sich lohnt. Umso weniger dulden sie Konkurrenz. Sie kamen oft sehr nah zum Bus, den Senta, mit ihrem ganzen Wachhund-Stolz, verteidigt. Bisher haben das alle Straßenhunde akzeptiert und Abstand gehalten. Ein Kangal/-mix-Rudel aber organisiert sich und lässt sich eine solche Frechheit, in seinem Territorium, nicht bieten.

Die Türken selbst haben fast nie eigene Hunde (außer Hofhunde auf dem Dorf, an der Kette) und wenn, dann nur ganz Kleine. Die sind schnell auf dem Arm, wenn Gefahr droht. Sogar Senta durfte meist keinen Kontakt aufnehmen, was schade war, denn das wären friedliche Begegnungen gewesen.

Die Attacke

Die schlimmste Attacke beim Reisen in der Türkei mit Hund, die auch mit einem Besuch beim Tierarzt endete, kam völlig unerwartet. Wir gingen spazieren und aus dem Nichts kam ein Hund von hinten angerannt. Senta lief einige Meter vor uns und er sprang ihr, ohne ersichtlichen Grund, nach kurzem Schnuppern in den Rücken und versuchte, sie zu Boden zu werfen. Wir sprangen Senta sofort zur Hilfe und zum Glück ließ er auf unser Schreien, Treten und mit der Leine schlagen von ihr ab und rannte davon.

Solch eine Brutalität habe ich unter Hunden noch nicht gesehen. Ich war schockiert. Senta musste, zum Glück, nur mit einem Stich, genährt werden. Die körperliche Wunde war geringer, als die seelischen Auswirkungen bei ihr und mir, die folgen sollten.

Wie wir darauf hin mit der Situation umgegangen sind, könnt ihr im neusten Beitrag Ängste- ein alter neuer Reisebegleiter nachlesen.

Allgemein sind die Menschen in der Türkei sehr tierlieb (auf ihre ganz eigene Art und Weise, muss man dazu sagen). Senta wurde von fast jedem mit Begeisterung empfangen. Auch hier sind die Menschen eher übergriffig, als ängstlich. Da kann schon mal ein älterer Herr plötzlich am Hundehals hängen und sie knuddeln. Oft genug wurde ihr auch Brot hingeworfen, ohne zu fragen, ob das okay ist. Auf die Dauer ist das wirklich recht anstrengend. Wir waren fast zwei Monate in der Türkei und vielleicht werden wir nochmal hindurch fahren, um in den Iran zu kommen, aber besonders darauf freuen kann ich mich derzeit nicht.

Die Türkei ist ein WUNDERSCHÖNES Land, mit unglaublich tollen, gastfreundlichen und fröhlichen Menschen. Ohne Hund wäre ich gerne länger geblieben und hätte manche Orte noch besser genießen können. Reisen in der Türkei mit Hund fand ich aber ziemlich anstrengend und kann sie als Reiseland mit Hund daher nicht empfehlen.