Kosovo

Reisen und Reiten im Kosovo

Am nächsten Tag hatte sich der Nebel in der Schlucht gelichtet und gab den spektakulären Blick auf das Bergpanorama frei. Wow, was für ein Anblick zum Frühstück. Wir erkundeten Valbona, wo derzeit viel gebaut und erneuert wird und entschlossen uns für eine weitere Wanderoute in die Berge. Wir wurden mal wieder mit tollen Ausblicken und Begegnungen belohnt. Bei einem Päuschen mit Aussicht trafen wir eine deutsche Wandergruppe. Wie sich herausstellte leben zwei von ihnen mit ihren Kindern in Tirana, die anderen waren zu Besuch! Wir tauschten Erfahrungen und Geschichten aus und machten uns gemeinsam auf den Weg zurück ins Tal.

Unser Tagesziel sollte bereits im Kosovo liegen, da wir noch einmal ins Innere von Europa aufbrechen wollten um Kosovo und Nord-Mazedonien zu besuchen, bevor wir dann endgültig an der Küste bleiben. Bei der Grenzüberfahrt waren wir bereits sehr überrascht wie schnell sich Land und Leute veränderten. Überall im Kosovo herrschte reges Treiben und die Siedlungen und Städte waren sehr belebt und geschäftig. Auch die Straßen wurden schlagartig besser und dass, obwohl hier bis 1999 Krieg und Unruhe herrschte.

In der Stadt Peja angekommen suchten wir uns auf einem Berg bei der Shtepia Alpike Ranch einen Platz für die Nacht. Das Restaurant und der Ausblick sind wirklich einen Ausflug wert, wenn man dort ist. Sogar ein Kletterpark und Reittouren werden dort angeboten. Dies wollten wir natürlich unbedingt nutzen. Gesagt getan, am nächsten Mittag starteten wir hoch zu Ross eine Erkundungstour in die schöne Natur die Peja umgibt.

Die beiden Pferde, Rana und Rudi, waren super artig und auch Martin als Reitanfänger fühlte sich sicher aufgehoben. Die Bergpfade sind ohnehin nur für Schritttouren ausgelegt und die Pferde trugen uns brav, die ihnen wohl bekannte Rundtour durch den Wald zu einem wunderschönen Aussichtspunkt. Dort wartete sie einen Moment und setzten sich dann wieder in Bewegung Richtung dem heimatlichen Stall. Für mich als geübte Reiterin war das ein sehr witziges Gefühl, da wir mehr oder weniger nur „mitfahren“ konnten, ohne wirklich Einfluss auf die Richtung und das Tempo nehmen zu können. Aber besser so, als wenn die Pferde wild herumgehüpft wären und wir Schwierigkeiten gehabt hätten. Es war ein sehr schöner und entspannter Ausritt und mein Reiterherz war erst mal wieder ganz selig.

Grundsätzlich muss man zum Reisen im Kosovo erwähnen, dass es hier keine Campingplätze gibt. Dafür ist Wildcampen nirgendwo ein Problem gewesen. Viele Hotels und Restaurants bieten an, dass man auf ihrem Parkplatz stehen und die Toiletten nutzen kann. Die Hotelpreise sind recht günstig, allerdings muss man beim Reisen mit Hund einiges Beachten.

Nach diesem schönen Erlebnis auf der Shtepia Alpike Ranch fuhren wir in die Schlucht von Rugova. Zu beiden Seiten ragen hohe Felswände in den Himmel und die Straße führt durch, teilweise einfach in den Felsen gehauene, Tunnel und entlang an steilen Abhängen. Bei einem Parkplatz auf ca. 1900 m Höhe ließen wir das Auto stehen und machten uns zu Fuß weiter auf den Weg zum Kucisko See. In Peja gibt es eine Touristeninformation, das Rugova Valley Tourist Information Center, mit sehr freundlichen Mitarbeitern, die super englisch sprachen und uns tolle Tipps für die Wanderung und die besten Ausflugsziele und Outdoor-Möglichkeiten gaben. 

Der Aufstieg zum Kucisko See war zwar recht beschwerlich, aber es lohnt sich! Der Bergsee liegt in völliger Sille und Klarheit vor einem und die Stimmung dort ist wunderbar friedlich. Auf dem Weg nach oben trafen wir viele Einheimische bzw. Kosovaren auf Heimatbesuch und fast JEDER sprach uns auf Deutsch an. Die Menschen hier sind unglaublich offen, interessiert und gastfreundlich.

Durch den Krieg und die Vertreibung gibt es eine enge Beziehung nach Deutschland, fast jeder Kosovare hat Verwandte im deutschsprachigen Raum und noch immer ist es der Traum und das Ziel von vielen nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz aufzubrechen und dort zu leben. Wir können das verstehen, da die Arbeitslosigkeit und die korrupte Regierung hier das Leben und die Perspektiven, besonders von jungen, weltoffenen Menschen sehr einschränken. In den Tagen in denen wir dort waren, waren Parlamentswahlen in Kosovo und es gab einen Regierungswechsel. Seit 1999 waren immer Parteien von ehemaligen UCK-Mitgliedern in der Regierung, die mit Vetternwirtschaft und Korruption das Land nicht gerade vorangebracht haben. Nun sind mit Albin Kurti und Vjosa Osmani links-liberale Politiker der Parteien Vetëvendosje (albanisch für „ Selbstbestimmung!“) und LDK am Zuge und wir drücken die Daumen, dass der Machtwechsel auch einen Aufschwung im Land bewirkt und die Lage der jungen Kosovaren verbessert.

Beim Abstieg vom See fanden wir viele Flaschen-Stäublinge, kleine Pilze, die wir uns abends richtig gut schmecken ließen.

Plötzlich klopfte es und unsere „Nachbarn“ auf dem Parkplatz, eine Gruppe von vier Jungs, luden uns ein, dass wir uns zu ihnen gesellen sollten. Die vier waren so herzlich und offen und wir unterhielten uns bis in die Nacht hinein über unsere Unterschiede, aber vor allem auch die Gleichheit zwischen uns. Diese Begegnungen sind immer etwas ganz Besonderes für uns, da man so Land und Leute wirklich kennen lernt, hört welche Probleme es gibt und was die Träume und Ziele der jungen Menschen sind. Meist sind diese ziemlich gleich mit den unseren: Reisen, in einem toleranten Land leben und genug Geld verdienen um ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Am Tag danach, nachdem die Nacht in den Bergen doch ziemlich kalt gewesen war, besuchten wir noch das schöne Patriarchenkloster Pec´ in Peja und fuhren dann weiter nach Prizren. Und dort passierte es. Ich verliebte mich. In die Stadt, die Leute, das Land. Die kleine Stadt Prizren, mit ihrer schönen Altstadt, dem geschäftigen Treiben und den vielen Cafés und Bars war irgendwie genau mein Ding. Man sagt, wer aus dem Brunnen am Marktplatz trinkt, wird wiederkommen. Ich hab mir gleich noch eine Flasche abgefüllt und glaube fest daran, dass es stimmt!

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