Mazedonien

“Nord”-Mazedonien – ein Land im Aufbruch

Nach unserer Zeit im Kosovo mit den vielen einzigartigen Begegnungen zog es uns weiter. Auf unserer „Runde“ die in Albanien begonnen hatte und über die Valbona-Schlucht über den Kosovo weiter nach Nord-Mazedonien, Skopje und dann über den Ohrid-See zurück nach Albanien, Tirana und schließlich Durres führen soll, sind wir nun in Mazedonien angekommen.

Vorab möchte ich erwähnen, dass das Land erst seit dem 11.01.2019 Nord-Mazedonien heißt. Diese ungewöhnliche Namensänderung kam zustande, da Griechenland es als unrechtmäßig empfindet, dass die Mazedonier „Ihr“ Land als das „richtige“ Mazedonien ansehen. Denn Mazedonien ist, strenggenommen, der Name einer Region, ähnlich wie es sich beim Kosovo verhält, und umfasst auch einen Teil Griechenlands und Bulgariens. Griechenland nutze sein Veto und verwehrte Mazedonien den EU-Beitritt. Die in 2017 neu gewählte sozialdemokratische Regierung gab den grotesken Forderungen nach um die EU-Beitrittsverhandlungen so schnell wie möglich beginnen zu können und änderte den offiziellen Namen des Landes in „Nord-Mazedonien“. Eine Demütigung für viele der Einheimischen. Diese Entscheidung trifft auf generelle Ablehnung seitens der Mazedonier und schürt auch die Ablehnung gegenüber der EU. In meinen folgenden Texten werde ich, aus Verständnis für diesen Unmut, von Mazedonien sprechen.

Das bei der Abstimmung im Oktober 2019 auch noch die generelle Verweigerung der EU, durch die Vetos aus Frankreich, den Niederlande und Dänemark dazu führte, dass die Beitrittsverhandlungen erst gar nicht aufgenommen werden, hat in Mazedonien für große Enttäuschung und Unverständnis gesorgt und das Vertrauen gegenüber den Versprechen der EU zerstört. Die Menschen hier fragen sich derzeit, zu Recht, wozu sie (nicht nur) diesen Schritt gehen mussten, wenn nun die Verhandlungen auf unbestimmte Zeit aufgeschoben, oder gar aufgehoben worden sind. Und das, obwohl sie, laut EU-Kommission, die Bedingungen für die Eröffnung der Beitrittsverhandlungen erfüllt haben.

Diese Thematik ist in allen Ländern des Ost-Balkans allgegenwärtig. Serbien, Bosnien-Herzegowina, Albanien und Nord-Mazedonien verlieren zunehmend das Vertrauen in die Staatengemeinschaft und überlegen eigene, staatsübergreifende Unionen zu gründen um die Wirtschaft und Entwicklung in ihren Ländern voran zu treiben. Wir können das mittlerweile sehr gut verstehen und das Bild der „gelobten EU“, die für alle Staaten Verbesserung verspricht, beginnt zu bröckeln. Es ist verständlich, dass die grundsätzlichen Kriterien erfüllt werden müssen und Rechtsstaatlichkeit und die Umsetzung der Grundrechte gewährleistet sein müssen. In Mazedonien ist dieser Prozess sehr weit voran geschritten und ein positives Zeichen der EU hätte für die nötige Motivation sorgen können, dem Pfad weiter zu folgen. Man darf nicht vergessen, dass ein Land mit der Aufnahme der Beitrittsverhandlungen noch lange kein Mitglied der EU ist. Noch lange nicht! Aber es wäre ein Zeichen. Und es hätte das Vertrauen in die EU gestärkt und es nicht grundlegend erschüttert.

So viel erst einmal zu der aktuellen, spürbaren und allgegenwärtigen politischen Situation.

Die Einreise verlief mal wieder sehr unproblematisch und bereits an der Grenze erhielten wir Tipps, für die besten Sehenswürdigkeiten. Es ist sehr witzig, wenn die strengen Grenzbeamten plötzlich zu strahlen anfangen und voller Leidenschaft von den Vorzügen ihres Landes schwärmen. Da Skopje, die Hauptstadt Mazedoniens, sehr nah an der Grenze liegt, fuhren wir gleich dorthin. Wir landeten auf einem Parkplatz, der sehr vermüllt und nicht besonders einladend in einem Industriegebiet lag. Nach einer kleinen Entdeckungsrunde war klar, hier bleiben wir nicht! Also weitersuchen. Es ist immer etwas ermüdend in einer fremden Stadt, nur mit Google Maps einen schönen Platz zu finden und kostet oft sehr viel Zeit. Wenn es dann auch noch dunkel wird, wird es noch schwieriger, da man seine Umgebung noch weniger einschätzen kann. Auch IOverländer konnte in diesem Fall nicht helfen, also mussten wir selber suchen. Als wir zurück ans Auto kamen, trafen wir Nikola. Ein sehr freundlicher Mazedonier, der gerade dabei war, eine Notiz an unsere Frontscheibe zu hängen. In gut verständlichem Deutsch erklärte er uns, dass er und seine Frau gerade von ihrem Deutsch-Kurs kamen und unser Nummernschild gesehen hatten. Sie wollten uns zum Essen einladen um mit uns Deutsch reden zu können. Was für eine süße und herzliche Art. Wir tauschten Nummern aus uns freuten uns über eine solche Begrüßung in diesem Land!

Nichtsdestotrotz hieß es noch einen Platz für die Nacht zu finden. Wir fuhren ganz frech einfach zur großen Festung, die über Skopje thront und befanden den Parkplatz vor dem Eingang für angemessen. Ein Stellplatz mit Ausblick über die ganze Stadt. Na bitte, es geht doch. Nach einem kleinen Erkundungsspaziergang durch die Altstadt, schließlich war es Samstagabend und das Flair der Stadt und die Wärme (es war wieder deutlich wärmer als im Kosovo) lockte uns an, krochen wir müde, glücklich und ein bisschen wehmütig (ich zumindest, da wir mein lieb gewonnenes Kosovo verlassen hatten) in den Bus.

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