Rumänien

Neues von den Abenteurern- Zu Gast bei Graf Dracula oder doch lieber aussteigen in den Bergen?

Wie ihr vielleicht bemerkt habt gab es schon eine Weile nichts mehr zu lesen von uns…Nun wir waren fleißig unterwegs, nicht immer mit gutem Internet Zugang und haben zugegebenermaßen auch ein paar Tage blau gemacht auf einem Festival.

Nach unserem bärenstarken Erlebnis (sorry für den flachen Wortwitz, aber den konnte ich mir nicht verkneifen höhö) fuhren wir weiter die wunderschönen Karpaten entlang. Das Wetter hier war sehr angenehm. Es regnete einmal am Tag oder in der Nacht, sonst war es warm, aber nicht zu heiß und je höher man kam desto weniger plagten einen die Mücken. Über Workaway fand ich eine alternative Lebensgemeinschaft in der Nähe von Hunedora, zu Deutsch Eisenmarkt, die wir einige Tage besuchen wollten.

Zuvor lag jedoch noch Schloss Dracula auf unserem Weg! Also auf nach Bran, wo das Schloss liegt. Das kleine Örtchen Bran platzt fast aus allen Nähten vor den Touristenmassen, die sich den Hang hinauf zum Gruselschloss schieben. Auch wir reihten uns brav ein, schmuggelten Senta mit in den kostenpflichtige Bereich vor dem Schloss und mussten uns erstmal wieder an die Menschenmassen gewöhnen. Uff. Senta mit ins Gewühl zu nehmen wäre nicht fair gewesen, da sie sich herzlich wenig für die alten, wenn auch wirklich schönen Gemäuer und den Mythos rund um den gräflichen Vampir interessierte. Wir wechselten uns also ab und immer einer blieb mit ihr vor dem Schloss, während der andere sich durch die engen Gänge des Schlosses schlängelte.

Das Bauwerk selbst ist wirklich hübsch gelegen, auf einer steilen Felswand thront es über den Wäldern. Man lernt viel über die Geschichte des Hauses, das eng mit der rumänischen Königin Maria verbunden ist. Auch der Deutsche Orden, der uns in Polen auf der Marienburg schon einmal begegnete soll hier gewirkt haben. Im Schloss selbst herrscht jedoch ein solchen Getümmel, dass es schwierig ist, nicht an den Informationstafeln vorbei geschoben zu werden. Mir war bis zum Besuch auf Schloss Dracula auch gar nicht bewusst, das die Legende um den wohl berühmtesten Vampir der Welt erst 1908 vom Schriftsteller Bram Stoker erfunden wurde und gar nicht wirklich eine alte rumänische Legende ist. Diese weltberühmte Geschichte basiert also kaum auf alt hergebrachten Sagen und Mythen, sondern entspringt der Feder eines irischen Schriftstellers. Mh, irgendwie war ich ein bisschen enttäuscht über diese Erkenntnis, hatte ich mich doch so auf die Geschichten aus Transsilvanien gefreut.

Aber der Besuch hat sich trotzdem gelohnt. Wir waren allerdings auch recht froh wieder aus dem Gewusel heraus zu kommen und haben uns Richtung Brasov auf gemacht. Unterwegs wurden wir so müde, dass wir kurz vor der Kreishauptstadt an einem Fluss angehalten haben und dort über Nacht geblieben sind. Tags darauf besuchten wir die schöne Stadt und schlenderten durch die Gassen. Sie ist wirklich einen Besuch wert und versprüht mediterranen Flair. Auch die engste Gasse Europas befindet sich hier. Wir sind zum Glück nicht stecken geblieben…

Weiter ging die Tour aber nun Richtung Eisenmarkt und Valea Babii um die dortige Gemeinschaft zu besuchen. Die Tage dort unter vielen anderen Workawayern waren sehr interessant und brachten uns einige neue Erkenntnisse und Eindrücke bezüglich des Gemeinschaftslebens. Da wir uns für solche Projekte interessieren, ist es immer spannend zu schauen, wie andere ihr Leben mit vielen an einem Ort gestalten. Valea Babii war ein magischer Ort in den Bergen. Das kleine Dorf war nur zu Fuß zu erreichen, unser fahrendes Heim ließen wir einen 5 minütigen Fußmarsch weit entfernt an der „Straße“ stehen, die eigentlich nur ein trockenes Flussbett und nur mit einem 4*4 Geländewagen zu befahren war. Nach der Aktion in der Ukraine sind wir etwas vorsichtiger geworden.

Vor Ort erwarteten uns ganz verschiedene Eindrücke. Einige Häuser wurde aus Ruinen selbst erbaut, andere von Grund auf neu hochgezogen. Im Kernen leben nur 3-4 Personen dort, als wir ankamen hatten wir jedoch keinen genauen Überblick wie viele Menschen zurzeit dort waren…sicher an die 20. Die Wasserversorgung läuft über eine Quelle aus dem Berg, das Leben ist einfach und richtet sich nach den Jahreszeiten. Es gibt Komposttoiletten und Strom kommt über die Leitung aus dem Hauptdorf einige Kilometer entfernt. Man fühlt sich sehr frei und wild dort oben, ich denke im Winter kann es aber auch sehr hart und einsam werden… Wir haben jedenfalls viel über Energiesparbauweisen für Tiny-Häuser gelernt, mit einer einfachen Holzkiste Heuballen gepresst und interessante Menschen kennen gelernt.

Es zeigte sich jedoch auch recht schnell, dass Leben in Gemeinschaft harte Arbeit für alle ist und damit meine ich nicht die körperliche Arbeit rund um Haus und Hof und zur Grundversorgung. Auch auf sozialer und emotionaler Ebene müssen bei einem Leben, welches durch die Gemeinschaft Stärke und Entlastung für den Einzelnen hervorbringen soll, offenbar viele Themen geklärt und (immer wieder) besprochen werden. Die Erfahrungen dort beschäftigten uns noch einige Tage und wir nahmen aus Valea Babii einige praktische und interessante Erkenntnisse mit.

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