Moldawien

Moldawien

Die Reise führte uns nach einigen Tagen weiter aus dem spannenden Transnistrien in das offizielle Moldawien. Die Ausreise an der Inländischen Grenze war unkomplizierter als die Einreise (hierzu sollte man sich im Vorfeld ein wenig schlau machen, da verschiedenen Dinge zu beachten sind…Wer fragen dazu hat, kann sich gerne bei uns melden!).

Unweit der Grenze erreicht man bald schon die Hauptstadt Chisinau, die mit ca. 500000 Einwohnern die größte Stadt Moldawiens ist. Beim Durchfahren der Stadt erlitten wir einen kleinen Kulturschock. Seid Russland waren wir sehr an die die sowjetisch geprägte Architektur und Ausstrahlung der Orte gewöhnt und auch die Ukraine und Transnistrien hielten diesen Eindruck aufrecht. Dies soll nicht falsch verstanden werden. Wir fühlten uns pudelwohl und uns hatte es zu keinem Zeitpunkt an Irgendetwas gefehlt! Ganz im Gegenteil. Das mäßige Vorhandensein von Konsumtempeln und kapitalistisch geprägten Innenstädten (von St. Petersburg und Moskau, die schon sehr westlich erscheinen mal abgesehen) war eine Wohltat und nicht nur erfrischend einfach, sondern lenkte auch weniger von der Kultur und Geschichte der jeweiligen Orte ab. Damit war jetzt Schluss. In Chisinau erwartete uns die knallharte, westlich moderne Realität zurück. Shoppingtempel, gängige Fastfoodketten, Wolkenkratzer, ja sogar ein KAUFLAND begrüßten uns hinter strahlenden Glasfassaden und umgeben von schillernden Werbebannern. Wir waren erstmal nicht nur überfordert, sondern fast wehmütig, wären am liebsten kurz noch mal umgekehrt, nur um noch ein wenig auf grauen Stahlbetonmauern zu sitzen und sich im Geiste auf den ach so hoch gelobten Westen und seine angeblichen Vorzüge vorzubereiten, aber was half es schon?

Etwas verwirrt und erschlagen bahnten wir uns den Weg durch die Stadt und fanden schließlich auch wieder heraus aus dem Gewimmel der Straßen. Puh. Dimitris Bruder hatte uns einen schönen See genannt, an dem wir gut mit unserem Don Busso die Nacht verbringen könnten. Wir steuerten den See an und fanden nach ein bisschen umherfahren im Ort auch eine schöne Stelle für die Nacht. Die Stellen am See waren teilweise leider mal wieder sehr vermüllt und der See lud nur bedingt zum Baden ein. Am nächsten Morgen stand der Wind geradewegs vom See auf unseren Bus zu und wehte uns zum Frühstück einen unangenehmen Geruch um die Nase.

Davon abgesehen präsentierte sich Moldawien mit mediterranem Flair. Der See lag im Tal umgeben von Zypressen und Weinbergen. Weinbergen? Ja, Weinbergen! Die Moldawier sind verrückt nach Wein und haben, wie wir am nächsten Tag feststellen durften eine hervorragende Auswahl an vorzüglichen Weinen zu bieten. Am nächsten Morgen folgten wir einem der Straßenschilder, welches den Weg zu einem Weingut in der Nähe wies. Vor einem neu gebauten, aber auf alt gemachten Schlösschen mit großen Toren, hinter denen sich offensichtlich ein stattliches Winzergut befand, blieben wir stehen. Wir irrten ein wenig umher und konnten uns schließlich eine Führung durch das Weingut organisieren. Und wir waren nicht schlecht beeindruckt. Ein reicher Moldawier, und reich ist an dieser Stelle gewiss nicht übertrieben, hat hier 1995 aus dem Nichts ein Weingut erbaut, das in der Art einzigartig in Moldawien ist. Auf 200 ha wird hochkarätiger Wein angebaut und, seid der Export nach Russland, aufgrund der Situation mit Transnistrien zusammengebrochen ist, zum Großteil nach China verkauft. Schade, dass wir in Deutschland kaum nach Osten schauen und moldawischer Wein (zumindest uns) ziemlich unbekannt war. Dabei ist er vorzüglich! Die Moldawier sind zurecht stolz darauf. Laut unserer Führerin baut jeder in Moldawien selbst Wein an und keltert, man schwört auf die gesundheitsfördernde Wirkung und auch Kinder schlafen besser nach einem Gläschen süßem moldawischen Dessertwein, wie man in Moldawien weiß… Der Eigenanbau ist auch leider der Grund, warum der Wein sich kaum im eigenen Land verkaufen lässt und zu 90 % exportiert werden muss ^^. Wir konnten nicht anders und haben uns im Shop erst mal ein wenig eingedeckt. Don Busso hat jetzt einen Weinkeller 😛

Die moderne Anlage, mit vielen Kollektionsweinen, pompösen Verkostungsräumen und ambitionierten Zukunftsplänen hinsichtlich Weintourismus (es soll ein Hotel und ein Restaurant angeschlossen werden, beides ist schon fast fertig, nur noch nicht in Betrieb) spiegelt den ersten Eindruck wieder den wir von Moldawien hatten. Modern, fortschrittlich und weltoffen. Man kann über dererlei Projekte denken was man möchte, aber zumindest sorgt hier ein inländischer Investor für Arbeitsplätze und erwirtschaftet moldawisches Geld (Lei) und schafft Kapital im eigenen Land.

Leicht beschwingt von den Eindrücken und eventuell auch von dem guten moldawischen Wein fuhren wir weiter durch die idyllische Hügellandschaft in Richtung Grenze. Rumänien wir kommen!

14.07.15.07.2019

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