Mädelsroadtrip

Mädelsroadtrip

Unser erster Halt war eine alte Handelsstadt, die um 800 v.C. ihre Blütezeit hatte. Die alten Ruinen lagen in einer traumhaften Bucht. Vor einem das Meer, im Rücken die Berge mit schneebedeckten Spitzen, dazu strahlender Sonnenschein. Senta und ich streiften durch das antike Phaselis und stellten uns vor, wie viel Leben zu damaligen Zeiten hier geherrscht haben muss (okay Senta interessiert sich vielleicht weniger für antike Geschichte, aber für sie roch der Ort jedenfalls sehr aufregend). Sogar Alexander der Große kam öfter zu Besuch.

Ein netter älterer Herr sprach mich auf Türkisch an. Obwohl wir einige Verständigungsschwierigkeiten hatten, stellte er sich als Museumsleiter oder –Wächter vor, so genau kann man das nie sagen. Er zeigte mir die besonders schönen Ecken, alte Mosaike und wir kletterten zusammen in den Ruinen herum, was laut den aufgestellten Schildern eigentlich strengstens verboten war. Überall wollte er Fotos von mir machen und ich musste posieren. Das war schon ein ziemlich lustiges Schauspiel und ein echt witziges Erlebnis.

Am Ausgang der Stadt angekommen verabschiedete er sich höflich und wir mussten beide ein bisschen über unsere Begegnung lachen. Ich genoss noch einige Sonnenstrahlen mit Senta auf den Klippen der Steilküste, dann war es Zeit sich einen Platz für die Nacht zu suchen.

Ich hatte mit der Park4Night-App einen guten Spot herausgesucht. Einmal fuhr ich an der kleinen Ausfahrt vorbei, denn es handelte sich mal wieder um eine unscheinbare Abzweigung an einem Hügel, woraufhin man einer steinigen Felsstraße folgen musste.

In der Bucht am Ende des Feldweges, der in Schlangenlinien den Berg herunter führte, trafen wir in mit den letzten Sonnenstrahlen ein. Der Ort war ein typischer Picknickort, wie es in der Türkei etliche gibt. Sogar eine türkische Familie mit einem Camper war dort. Damit fühlte ich mich ein bisschen wohler, denn die Bucht war dermaßen abgelegen und still, dass man auf komische Gedanken kommen könnte.

Natürlich wollte ich einen ganz besonderen Platz für Don Busso, am liebsten ganz nahe am Wasser finden. Bei dem Versuch fuhr ich mich um ein Haar im Schlamm fest und kam nur mit Mühe und Not, und einer ziemlich glühenden Kupplung, von alleine wieder aus meiner misslichen Lager heraus. Hupsala. Na gut, also doch besser einen Platz auf festem Grund und dafür einige Meter vom Meeresrand entfernt. Wir fanden eine gute Stelle und unser wildes Camper Dasein nahm seinen Lauf.

Ich würde lügen, wenn ich sage, ich hatte zu keinem Zeitpunkt Schiss oder ein unangenehmes Gefühl. Aber im Großen und Ganzen habe ich mich sicher rund wohl gefühlt. Es macht einen stärker und selbstsicherer alleine zu entscheiden und seinen Ängsten und Unsicherheiten zu begegnen.

Wir hatten tolle Tage in der Bucht, auch wenn uns, natürlich, am nächsten Tag das Gas ausging und am Tag darauf der Strom. Abends saß ich allein an meinem kleinen Lagerfeuer und sinnierte über Themen, die mich beschäftigten, unsere Reise und ließ meine Gedanken schweifen. So saß ich, bis mir entweder zu kalt oder zu unheimlich wurde. Aber zu meiner schlummernden Senta ins Auto zu kriechen wird in mir immer ein Gefühl von „nach Hause“ kommen auslösen und ich liebe es, im Bett zu liegen und ihr entspanntes leises Schnarchen zu hören.

Tagsüber streiften wir durch die Gegend. Einmal wurde ich von drei älteren Fischern zum Tee und Weißbrot Essen eingeladen. Wir unterhielten uns mit Händen und Füßen und ich glaube, die drei dachten, ich sei verrückt, oder fanden es doch zumindest recht außergewöhnlich, mich ohne Mann beim Campen anzutreffen.

Da nach zwei Tagen Gas und Strom in die Knie gegangen waren, brach ich aus der Bucht auf, um für Nachschub zu sorgen und durch das Fahren, die Batterie wieder aufzuladen. Der Ausbau der Gasflasche gestaltete sich als recht abenteuerlich und letztendlich musste ich doch eine Telefonkonferenz mit Martin einberufen, um nichts kaputt zu machen. Aber dann klappte es.

Kampf mit der Gasflasche doch noch gewonnen!

Zunächst steuerte ich den Berg Chimera, bei Olympos an. Der Berg, in dem der Legende nach, ein furchtbares Ungeheuer wohnt, welches Feuer bis nach oben speit, bietet, mit seinen „brennenden Steinen“ wirklich einen tollen Anblick. Man kann sich kaum sattsehen, an den Flammen, die einfach so aus dem Boden kommen und sogar im Regen brennen. Verantwortlich dafür sind Gase, die aus kleinen Löchern im Boden strömen, oder aber das, im Berginnern hockende, missmutige Ungeheuer, wer weiß das schon so genau.

Der Ausflug hat super viel Spaß gemacht und Senta und ich steuerten fröhlich unseren Weg Richtung Antalya an. Auf dem Weg konnte ich auch endlich mit unsern neuen, tollen Adaptern Gas auffüllen lassen. Das hat prima geklappt und wir scheinen jetzt besser gewappnet zu sein, für alle möglichen Adaptersysteme der Welt.

Da der Tag schon ziemlich fortgeschritten war fuhr ich gar nicht bis Antalya, sondern steuerte einen netten Parkplatz, unmittelbar am Meer, in Göynük, ca. 30 Km vor Antalya an. Dort gefiel es mit so gut, dass ich die restlichen drei Nächte, bevor ich Martin abholen sollte, dortblieb. Ich hatte einen super lieben Camping -Opa als Nachbarn, der mir Tee und Früchte brachte und genoss die Zeit mit dem schönen Ausblick. Ich arbeitete fleißig, ging mit Senta am Meer spazieren und übte meine Fähigkeiten im Flip-Steine flippen (dort am Strand lagen die besten Flipp-Steine, die man sich vorstellen kann).

Die Zeit verging ziemlich schnell und ich muss zugeben, dass ich mich schon fast an das alleine Sein gewöhnt hatte. Eine sehr interessante Erfahrung jedenfalls.

Aber natürlich freute ich mich auch sehr darauf, Martin vom Flughafen abzuholen und unsere Reise gemeinsam fortzusetzen. Ich war sogar ein bisschen aufgeregt ihn wiederzusehen. Es tut auch gut, mal etwas getrennt voneinander zu erleben. Denn wir hatten uns nach dem Wiedersehen unendlich viel zu erzählen und waren ganz aufgeregt, den Anderen wieder zu haben. Ein schönes Gefühl.

Spaß hat mir der Mädels-Trip aber allemal gemacht und es war eine sehr lehrreiche Erfahrung, an der ich gewachsen bin.

2 Gedanken zu „Mädelsroadtrip

  1. so super diese Berichte aus eurer Sicht und Erlebnisswelt…einfach aus dem Herzen geschrieben und erlebt. DANKE EUCH für s vor machen und vor leben….Mami

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