2020-02-06 Grichenland

Kreta ohne Touristen

Nach dem wir alles erledigt hatten, ging es los die Westküste zu erkunden… Was für eine Gelegenheit. Kreta ohne Touristen zu erleben. Wir hatten die Insel fast gänzlich für uns alleine. Eine einmalige Chance. Auf Gavdos hatten wir einen Reiseführer aus dem Jahr 1987 gefunden und uns halb tot gelacht über die Beschreibungen der „einsamen Buchten“, „menschenleeren Strände“ und „verschlafenen Fischerdörfern“, die es auf Kreta vor 33 Jahren noch zu entdecken gab. Aufgrund der aktuellen Situation erfuhr der Reiseführer jedoch eine ungeahnte Renaissance und war aktueller denn je! Wir fanden auf unserer Küstenroute die berühmten Strände von Elafonisi, Falassarna und Balos wirklich einsam vor und waren oft fast die einzigen Menschen unterwegs. Nur vereinzelt gesellten sich einige Kretaner am Nachmittag zu uns an die schönsten Strände der Insel. Auch die Dörfer durch die wir fuhren, waren in der Tat sehr verschlafen, fast verwaist. Die Tavernen sind meist noch immer geschlossen, ohne Gäste bleiben viele Orte fast gänzlich im Winterschlaf versunken.

Für die griechische Ökonomie und viele Familien, die vom Tourismus leben, ist die Situation prekär. Wir sind uns dessen bewusst und die allgemeine Lage in Europa gibt auch uns zu denken auf. Dennoch und besonders deswegen, genießen wir diese Situation, den Stillstand, die Ruhe und die Schönheit um uns herum in vollen Zügen. Wir sind dankbar und wertschätzen jeden Moment.

Wo soll ich also mit dem Berichten beginnen? Wo enden? Über jeden einzelnen Ort, den wir gesehen haben, könnte man einen Bericht, vielleicht sogar ein Buch schreiben. Elafonisi, beispielweise ist ein Naturschutzgebiet, mit flachen Buchten und türkisfarbenem Wasser, das einem das Gefühl gibt, nicht in Griechenland, sondern in karibischen Gefilden zu sein. Man kann an einer Stelle durch flaches Wasser waten und die gegenüberliegende Insel besuchen, auf der die einzigartige Flora und Fauna durch einen Zaun geschützt wird.

Eine kleine Inselerkundung ist trotzdem ein schöner Ausflug und ich konnte sogar Senta dazu bewegen, durch den kleinen Kanal zu schwimmen, um mit mir die Insel zu entdecken. Überall kann man sich im flachen, kristallklaren Wasser abkühlen oder einen Moment beim Anblick der Schönheit um einen herum verweilen. An unserem Stellplatz, etwas abseits vom Hautparkplatz, konnte man von der Hängematte aus aufs Meer blicken. Wir hatten drei kleine Buchten ganz für uns alleine und den Westküsten-Sonnenuntergang als allabendliches Schauspiel… Definitiv ein Secret Spot an dem man locker mehrere Wochen hätte verbringen können. Nach ein paar Tagen zogen wir jedoch weiter, schließlich hatten wir uns vorgenommen ganz Kreta zu umrunden. „Na das kann ja was werden, wir kommen doch niemals in drei Wochen um die Insel, wenn jeder Strand mit solchen Aussichten und Eindrücken wartet“, dachte ich….

Die Hitzewelle ebbte zum Glück ein bisschen ab, was das Autofahren tagsüber wieder möglich machte. Der nächste Beach, in Falassarna, bot einen wunderschönen Anblick. Es stürmte allerdings dermaßen, dass uns die Markise um die Ohren flog und Sentas Hundebett abhob, sobald sie aufstand. Wir fanden endlich mal wieder eine funktionierende Stranddusche, was nach tagelangem Baden im Salzwasser immer ein echtes Highlight ist! Man fühlt sich nach ca. drei Tagen gut gepökelt und fertig für die Vorratskammer^^. Da wir aber keine „aalen Wöschte“ sind (wie der Hesse sagt), wird jede funktionierende Stranddusche freudestrahlend zum großen Waschtag genutzt. Natürlich benutzen wir am Strand nur Ökoduschgel und -Shampoo, eine Regel auf deren Einhaltung ich strikt bestehe, auch wenn es manchmal echt zeitaufwändig, teuer und nervig sein kann, entsprechende Artikel in den jeweiligen Ländern zu bekommen.

Bei dem Wetter in Falassanarna war das Duschen gleich ein doppeltes Schauspiel. Bei herrlichstem Ausblick mussten wir uns einen Meter neben die Dusche stellen, denn der Wind trieb das Wasser zur Seite und man musste schon zusehen, dass man nass genug wurde! Natürlich ist Duschen mit eiskaltem Wasser und bei starken Windböen auch bei Sonnenschein eher eine  Bootcamp-Abhärtungs-Outdoor-Kneip-Erfahrung als ein großed Duschvergnügen. Solche Momente sind eben die kleinen Freuden des Camper Lebens und oft endet das Ganze bibbernd in einem riesen Gelächter.

Wir verließen den traumhaftschönen Strand, der auch aus einem Reisekatalog für eine Karibik-Insel hätte stammen können, also recht zeitig wieder und machten uns auf zur „Piratenbucht“. Eine GUTE Entscheidung, wie wir feststellen sollten.

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