Kreta, Feta und die Sache mit der Rückreise

Kreta, Feta und die Sache mit der Rückreise

Der nächste Strand, „Balos Beach“, ist der Sage nach, eine alte Piratenbucht. Alleine der Weg dorthin bietet eine dermaßen spektakuläre Kulisse, dass man, auf dem Hochplateau angekommen kaum denkt, dass es noch schöner werden kann. Es kann.

Die Bucht, die sich hinter den Klippen am Ende der Landzunge Gramvousa befindet, könnte man schöner nicht malen. Wir waren ohne Worte und genossen stumm den Sonnenuntergang. Leider konnten wir nur eine Nacht bleiben, da das Trinkwasser ausgegangen ist. Ansonsten würden wir vermutlich jetzt immer noch dort stehen… Noch mehr über Balos Beach könnt ihr unter unsern Secret Spots lesen.

Der Weg zum Strand war steil und steinig, aber er ist jede Mühe wert. Wir verbrachten einen wundervollen Strandtag an einem weißen Sandstrand mit flachem Wasser und der Gewissheit, dass wir uns an diesen Tag noch lange werden erinnern können. Leider hatten wir nicht genug Trinkwasser dabei und so mussten wir am Abend die Rückfahrt von Gramvousa antreten.

Weiter ging es die Küste entlang zum nächsten Highlight. Hinter jeder Kurve auf der Küstenstraße warteten wunderschöne Ausblicke auf das tiefblaue Meer. Auf der Strecke entlang der Nordküste erfüllte ich mir einen langgehegten Traum. In Kissamos gab es eine Käserei, die die traditionellen Käsesorten wie Graviera, Feta, Mizithra und dem leckeren Anthótiro noch dazu Joghurt und Butter herstellte. Natürlich alles aus Schaf- und Ziegenmilch. Bis zu 50 Kg am Tag werden in der kleinen familiengeführten Käserei produziert. Wir bekamen eine Führung beim Chef persönlich, der sogar super gut Deutsch sprach! Ach das war, für mich als riesen Käse-Fan ein echt cooler Tag und wir haben viel über die tollen Produkte gelernt, die dort herstellt werden. Eine super interessante Führung und für jeden Käseliebhaber ein Muss.

Käserei des Georgios Bourdakis (Τυροκομείο Γεώργιος Μπουρδάκης)

PEO Kissamou Chanion 27, Kamisiana 730 06, Griechenland

Beim nächsten Stopp überraschte uns Kreta mal wieder! Wir bogen von der Küstenstraße ab und fuhren ca. 20 km ins Landesinnere. Plötzlich standen wir vor einem idyllischen Bergsee mit Alpenpanorama. Wow. Diese Insel hat wirklich so ziemlich alles zu bieten.

Ähm, haben wir uns nach Bayern verirrt?

Am nächsten Tag passierten wir Heraklion. Da es extrem heiß war, und Martin sich gerne die Ausgrabungsstätte Knossos anschauen wollte, verzichteten wir auf einen Stadtbesuch. Die Ausstellung war zurzeit leider nicht vollständig geöffnet, aber Martin fand es trotzdem lohnenswert. Ich blieb mit Senta und Louie im Auto, und muss zugeben, dass ich mich an Ruinen und alten Steinen aller Art in Griechenland wirklich sattgesehen habe, auch wenn das ein wenig banausisch klingen mag.

Als nächstes passierten wir die Lassiti Hochebene. Dort fanden wir leider keinen wirklich schönen Spot für die Nacht. Beinahe hätten wir uns sogar in den engen Gassen der Bergdörfer festgesetzt, da wir doch etwas zu optimistisch zwischen zwei eng stehenden Häuschen hindurch wollten. In der Lassiti Hochebene kann man zur Höhle des Zeus wandern. Diese hatte allerdings leider aufgrund der Corona-Situation geschlossen. Schade.

Weiter und immer weiter um die Insel herum führte uns der Weg über Agios Nikolaos nach Sitia und schließlich bis an den Palmenstrand von Vai. Ein wahnsinnig schöner Strand mit Palmenbäumen wie aus der Südsee. Die Dattelpalmen sind wohl mit den türkischen Eroberern nach Kreta gekommen und haben sich hier am Strand sehr gut etabliert. Im Sommer wimmelt es nur so von Touristen, wir lagen mal wieder fast einsam unter Palmen.

Am Vai Beach trafen wir dann auch wieder die ersten anderen Touristen. Man konnte also wieder auf die Insel reisen, ergo auch wieder aufs Festland und einige Grenzen überqueren. So langsam mussten wir uns Gedanken über den Rückweg machen, denn es gab ein sehr konkretes Datum, den Hochzeitstag meines Bruders, an dem wir unbedingt zurück sein wollten.

Die Ostküste Kretas ist weniger spektakulär und stark landwirtschaftlich genutzt. Hier sieht man etliche Folientunnel unter denen unsere Tomaten und andere Gemüsesorten wachsen. Aufgrund eines Tipps fuhren wir nach Mirtos und bereuten es nicht.

Hier trafen wir einige deutsche, österreichische und schweizerische Auswanderer, die sich in und um Mirtos ansiedelten. Es war toll so viele Menschen kennenzulernen und vor sich hin zu träumen. Natürlich hatten wir viele Fragen und haben viele Tipps und Anregungen bekommen. Am Ende läuft alles jedoch wieder auf eine simple Formel hinaus: Einfach machen! Man kann nicht alles durchplanen, vorbereiten und sicherstellen. Die Dinge entwickeln sich und das braucht Zeit, Mut und Vertrauen.

Da wir länger als geplant in Mirtos blieben, denn jeden Abend ergab sich eine andere Einladung, mussten wir uns fast ein wenig beeilen, unsere Runde fertig zu bekommen.

Von Lentas, dem hochgerühmten FKK-Strand waren wir etwas enttäuscht. Auch das stürmische Wetter trug nicht dazu bei, dass wir dort länger als eine Nacht verweilen wollten. Ganz im Gegensatz zu Matala. Wir waren angenehm überrascht von der ehemaligen Hippiehochburg. Die altertümlichen Höhlen, in denen es sich in den sechziger und siebziger Jahren viele Hippies und Aussteiger gemütlich gemacht haben, können immer noch besichtig werden. Wer sich den Eintritt sparen will, der kann die Höhlen auch vom Strand aus betrachten.

Innerhalb der Saison, besonders zum, einmal im Jahr stattfindenden, Matala Festival ist in dem kleinen Ort die Hölle los. Auch hier hatten wir, zumindest unter der Woche, dank Corona, jedoch freie Platzwahl und weitestgehend unsere Ruhe.

Das nächste und eins meiner persönlichen Highlights war Preveli Beach. Der Weg dorthin war mit einiger Aufregeung verbunden, denn mit dem Auto kommt man nur in die Nähe des Strandes. Der Weg den wir nahmen führte eine abenteuerliche Schotterpiste den Berg hinab. Die Serpentinen schlängelten sich scharf den Hang hinab und steile Abgründe und tiefe Schlaglöcher begleiteten uns. Das war sogar unserm größten Abenteurer an Bord etwas zu viel. Dem Kater wurde schlecht und er wurde unter kläglichem Miautzen sein Mittagessen wieder los… Den restlichen Teil des Weges lief Martin also mit den Tieren lieber zu Fuß, während ich mit Don Busso bis zum, glücklicherweise eben gelegenen Parkplatz schaukelte.

Auch am nächsten Tag hatte es der kleine König nicht leicht. Es war schon recht heiß, als wir zum Strand aufbrachen. Um dorthin zu gelangen, mussten wir von einer Bucht zur nächsten über eine steile Felswand wandern. Bei der Hitze keine Aufgabe für ein Tier von königlichem Geblüt. Nach einigen Metern auf dem steinigen Pfad beschloss er, dass der König nicht dafür gemacht sei seinen Palast zu verlassen und verlangte lautstark, dass die ganze Reisegruppe umkehren sollte. Wir haben uns köstlich über den kleinen Schreihals amüsiert und ihn gnädiger Weise den Rest des Weges getragen.

Meine Güte war es schön dort. Ein Süßwasserfluss der direkt aus den Bergen am Strand ins Meer fließt, ein Palmenwald, in dem man entlang dem Fluss zu einem natürlichen Pool folgen kann, schattenspendende Bäume und kristallklares Wasser. Mehr muss ich glaube ich nicht dazu schreiben. Einfach nur WOW!

Der Tag der Abreise kam dennoch immer näher. Noch einmal fuhren wir in Richtung Paleochora und Sougia, wo wir die letzten Tage verbrachten. Dann hieß es endgültig Abschied nehmen. Abschied nehmen nach fast einem Vierteljahr auf Gavdos und Kreta. Abschied nehmen von den vielen Begegnungen die wir hatten, von der Landschaft, die uns so oft überrascht und fasziniert hat, von der Gastfreundlichkeit, der Sonne und den blauen Buchten Kretas.

Wir haben Kreta sicher in einem ganz besonderen Moment kennen lernen dürfen und werden es sicher nie wieder so erleben. Dafür sind wir unendlich dankbar und sagen Danke für diese lehrreiche und prägende Zeit.

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