2020-02-06 Grichenland

Keine Hose, kein Problem!

Getreu diesem Motto starteten wir die Zeit auf Gavdos ausgelassen und textilfrei. Schnell durften wir jedoch feststellen, dass wir uns auch und vielleicht sogar ganz besonders hier, mit einigen besonderen Problemen auseinandersetzen müssen.

Aber zuerst der spaßige Teil. Wir kamen gut gelaunt auf Gavdos an, nachdem wir schon fast zwei Wochen auf Kreta verbracht hatten (dazu in einem anderen Beitrag mehr). Der Spirit der kleinen Hippie-Insel gefiel uns von Anfang an gut. Die herumfahrenden Autos haben gar keine oder willkürlich angebrachte Nummernschilder. Die Tavernen und der Minimarkt waren noch in entspanntem Winterschlaf und die Zeit schien hier einfach anders zu ticken. Gelebte Entschleunigung… Genau was wir gesucht hatten. Wir fanden auch gleich einen schönen Spot mit Blick aufs Meer, an einer verlassenen wirkenden Strand-Taverna. Es stürmte zwar recht kräftig, doch wir waren guter Dinge. Am nächsten Morgen wurden wir von einem freundlichen Miauen begrüßt. WIE anhänglich diese kleine Mietze noch sein würde, war uns da natürlich noch nicht klar.

Wir gingen am Strand spazieren und erkundeten die Umgebung. Die Dünenlandschaft auf der Insel ist sehr speziell und fast jeder Strand ist ein „Natura 2000“ Gebiet. Seltene Juniper (stachliger Wacholder oder Zeder-Wacholder) Bäume und Sträucher bilden diese besondere Mischung aus Sanddünen und Vegetation. Eine wirklich tolle und schützenswerte Landschaft. Leider hörten wir mittlerweile von den Einheimischen, dass die vielen Touristen, die im Sommer kommen, sich oft nicht an die Regeln in den Schutzgebieten halten. Wurzeln und ganze Bäume werden gefällt und verfeuert, von dem Müll und den Hinterlassenschaften der Menschen mal ganz zu schweigen. Die Bäume und ihre Wurzeln sind jedoch essenzielle Wasserspeicher und halten auch die Erde und den Sand dort, wo er ist. Fast alle Inseln in Griechenland haben massive Probleme mit Bodenverlust. Auf Kos, so wurde uns berichtet, seinen in den letzten Jahren 7 Meter Strand verloren gegangen.

Die Vegetationen hier, die an das salzige Klima und die starken Winde angepasst ist, hält die Erde und teilweise auch den Sand, an Ort und Stelle und verhindert so, dass die Insel bis auf die kargen und schroffen Felsen blankgepustet wird.

An den verschiedenen Stränden und in den Dünen unter den tiefhängenden Kiefern und Juniper-Bäumen haben sich einige Aussteiger kleine Hütten und Unterkünfte gebaut, sogenannten Cavazzas. Diese Behausungen (und der ganze Strand) werden im Sommer von mehreren tausenden Campern belebt, wie uns berichtet wurde. Gavdos ist eine der wenigen Inseln (und Orte), an denen Wildcampen in Griechenland noch erlaubt ist. Wir sind ehrlich gesagt ziemlich froh, dass derzeit kein Personentransport auf die Insel stattfindet, denn so können wir diese schöne Landschaft fast alleine genießen. Natürlich ist das ein bisschen egoistisch aber das ist wenigstens einer der positiven Aspekte an der Look-dow Situation (auf ganz Kreta herrscht derzeit Ausgangssperre).

Auch unsere beiden Kumpels, Jorgos und Elohim, die wir hier kennen gelernt haben, leben seit zwei Jahren auf der Insel in den Dünen, in ihren Cavazzen. Es ist gemütlich dort, einfach, man kocht über dem Feuer oder Gaskocher, beide schlafen im Zelt. Für uns wäre das wohl doch noch ein ganzes Stück zu viel des Aussteigertums. Wir mögen zwar den alternativen Lebensstil und ich versuche auch immer mehr bewusste Entscheidungen zu treffen und weniger zu konsumieren, aber so reduziert zu leben, wäre mit dann doch etwas zu hart.

Aber nun gut. Es macht Spaß als Gast dort zu sein und es verspürt definitiv einen Flair von Abenteuer und Huckleberry Finn Erlebnis.

Einige Tage verbrachten wir tatsächlich auch in einer Cavazza am Strand. Wir hatten die „Nutzerin“ (Cavazzen gehören in der Regel niemandem, wer sie nutzt, ist eben der temporäre Eigentümer) am ersten Tag auf Gavdos getroffen und, da sie die Insel für einige Wochen verlassen wollte, bot sie uns an, dass wir die Cavazza gerne nutzen könnten. Das Angebot haben wir dann auch angenommen und es uns für einige Tage im kleinen Häuschen ohne Strom und fließend Wasser gemütlich gemacht.

Die Zeit haben wir auch dafür genutzt die Handys mal auszulassen und keine Nachrichten zu konsumieren. Ich kann das, insbesondere derzeit, wirklich jedem mal für einige Tage empfehlen!

Leider tobten doch noch heftige Nordwinde in der Nacht, sodass ich mehrmals nachts aufstehen und das Feuer schüren musste, um es etwas warm zu halten. Diese Art von Leben holt einen definitiv runter… Jeden Tag genug Holz zu sammeln (natürlich OHNE dabei die Junipers abzusägen! Also nur Strandgut sammeln). Wir haben den Tag mit Yoga, Nachdenken, lesen und über dem Feuer kochen verbracht. Abends, wenn es dunkel wurde, gab es eben nur noch Kerzenlicht. Das reicht zum Karten spielen! Wir haben uns Romme beigebracht und hatten einige Abende damit zu tun!

An einem Abend kamen die anderen beiden vorbei und wir haben gemeinsam gekocht. Da die Nächte immer sehr laut und kalt waren, bin ich meist zum Sonnenaufgang schon aufgewacht. Das waren tolle Momente… Die Energie dort am Strand, wenn die Sonne aufgeht entschädigt einen fast für die harte Nacht!

Trotz des wenigen Schlafes war ich in der Zeit in der Hütte voller Energie und guter Laune. Ständig so reduziert zu leben wäre mir doch noch ein bisschen zu viel des Guten. Aber im sich zu erden, zu erholen oder einfach mal ein Abenteuer zu erleben ist es genau richtig und macht Spaß!

Nach einigen Tagen des wilden Lebens am Strand zog mein Rücken mich wieder in den Bus.  Aber es hat Spaß gemacht und vllt ziehen wir, wenn es wärmer wird, wieder für ein paar Tage dort ein.

Seit der Zeit am Strand folgte uns auch endgültig das kleine Kätzchen auf Schritt und Tritt. Sie verließ ihre gewohnte Umgebung, um mit uns, immerhin fast eine halbe Stunde, durch die Dünen zur Cavazza zu wandern. Martin war ganz vernarrt in die Kleine. Sehr zum Leidwesen von Senta und mir, denn wir beide sind nicht die größten Katzenfans.

Ich bin gespannt, ob die kleine Mietze Gavdos mit uns zusammen verlassen wird, aber diese Entscheidung muss letztendlich Martin treffen, denn ich möchte eigentlich keine Reiskatze… Momentan gehört sie jedoch zum Team und lebt bei uns im Lager (auch, da man sie kaum loswird, die ist ganz schön hartnäckig die kleine Samtpfote).

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