Inselfieber

Inselfieber

Nach der aufregenden Zeit in Istanbul wollten wir auf die griechische Insel Kos übersetzen. Aufgrund der angespannten Situation mit den frei lebenden Hunden in der Türkei und den, doch recht ungemütlichen, Temperaturen war eine kleine sonnige Insel im Süden Europas eine aussichtsreiche Alternative zu unseren Überwinterungsplänen in der Türkei.

Wir setzten von Bodrum mit der Fähre, die genau einen Van von der Größe die Don Busso hat, transportieren kann über. Das wir dabei wieder in die EU einreisten merkten wir schon nach wenigen Augenblicken. Müde, da wir früh aufgestanden waren und so ein Event, wie eine Fährfahrt, doch auch immer recht viel Energie verbraucht, suchten wir uns einen Parkplatz am Strand von Kos. Das Wetter war herrlich und obwohl wir sogar auf das türkische Festland blicken konnten, waren wir in einer ganz anderen Welt. Keine bedrohlichen Hunderudel, die Menschen waren freundlich und neugierig aber nicht übergriffig und aufdringlich. Sofort fühlten wir uns in unserem gewohnten Kulturkreis wohl und fanden einen Moment zum Durchatmen. Nach einiger Zeit waren wir alle drei am Strand eingeschlafen.

Die Anspannung fällt ab…

Die Insel Kos hat uns von Anfang an sehr gut gefallen. Wir haben uns sofort pudelwohl gewühlt und sind mit dem Van zu verschiedenen Spots gefahren. An einem Stellplatz kamen jeden Morgen einige Locals, vornehmlich ältere Damen und Herren, um ihr Schwimmprogramm im kristallklaren Meerwasser zu absolvieren. Nach wenigen Tagen waren wir angenommen und bekamen fast täglich kleine Dinge, wie Früchte oder Brot vorbeigebracht. Total süß! Eine alte Windmühle, die im Sommer wohl als ein Beachclub betrieben wird, erregte unsere besondere Aufmerksamkeit. Was für ein schönes Gebäude.

Auf Kos lernten wir auch Peter kennen. Peter hat bereits vor dreißig Jahren beschlossen, seinen Lebensmittelpunkt nach Kos zu verlegen. Er hat einen kleinen Reitbetrieb aufgebaut und damit in der Saison gutes Geld verdient. Alle auf Kos verdienen ihr Geld mit den Touristen. Und obwohl wir die Bettenburgen am Strand sehen konnten, hatten wir glücklicherweise die Insel fast für uns alleine. Der Winter ist, laut den Einheimischen, die schönste Zeit im Jahr, denn es ist immer noch sonnig, teilweise sogar warm genug zum Baden, aber es gibt keine Touristenmassen.

Wir haben oft versucht, uns vorzustellen, was auf der Insel los sein muss, wenn die über eine Millionen Feriengäste ankommen und Strände und Straßen beleben, ja fast überfluten. Können wir uns vorstellen, sowas mitzumachen? Vielleicht sogar davon zu leben?

Während man reist, kommt man zwangsläufig auch mit dem Gedanken in Kontakt, wie, und vor allem WO man selbst gerne leben möchte. Von scherzhaften Vorschlägen sich im Bosnischen Gebirge eine Holzhütte zu zimmern, bis zu einem schicken City Apartment, in einer der angesagten Städte Europas (oder besser noch in einer der Städte, die derzeit noch Geheimtipps sind, wie Sarajevo oder Skopje). Man sieht so viele unterschiedliche „Ways of life“ und man beginnt, sich in dem ein oder anderen Szenario selbst zu sehen. Prüft, wie wohl man sich mit dem Gedanken fühlt, tauscht sich aus, verwirft manches wieder und behält anderes im Hinterkopf.

Auf Kos haben wir das erste Mal angefangen uns wirklich über die Gegebenheiten zu informieren.  Wie viel kosten Häuser oder Grundstücke? Wie sieht es mit rechtlichen Fragen aus? Wir haben sogar ganz spontan bei einem Makler angehalten und uns mal erkundigt. Auch Peter, der den ganzen Prozess zwar dreißig Jahre zuvor durchlaufen hatte, half uns gerne weiter, mit Anekdoten und Erfahrungen von seiner Auswanderung.

Peter und seine Pferde lassen es mittlerweile auch etwas ruhiger angehen. Alle Mitbewohner auf seinem Hof sind schon recht betagt und eher im Ruhestand. Ausritte mit Touristen macht er kaum noch, hin und wieder vermietet er Zimmer in einem Apartment auf dem Hof, ansonsten mögen alle dort ihren geregelten Tagesablauf und regelmäßige Fütterungszeiten (Erstaunlich wie fidel und spritzig die alten Zossen werden, wenn Peter dreimal am Tag pünktlich mit den Futterschüsseln zum Stall kommt). Wir waren oft bei Peter zu Besuch, seine herzliche bayrische Art und die vielen Geschichten, die er und wir zu berichten hatten, ließen uns oft stundenlang bei einem leckeren Mahl zusammensitzen. Er freute sich, seine Kochkünste vorzuführen und wir, dankbar so fürstlich umsorgt zu werden, hielten unseren Teil ein, indem wir sein Essen und seine Gastfreundschaft genossen und ausgiebig lobten.

An sonnigen Tagen durchkreuzten wir die Insel, entdeckten schöne Strände, gingen Wandern und fuhren herum. Martin nutze die guten Bedingungen zum Windsurfen (Kos ist ein hervorragender Spot zum Windsurfen) und ich genoss lange Spaziergänge mit Senta. Auch das Inland der Insel bietet aufregende und, je nach Route, sportlich anspruchsvollere Wanderwege.

Nachdem der Gipfel des Berges Dikeos, dem höchsten Berg auf Kos, fast immer im Nebel gelegen hatte, konnten wir ihn am vorletzten Tag auf Kos dann doch noch erklimmen.

 Wow. Was für ein Ausblick. Der Aufstieg war am Ende eine ziemliche Klettertour gewesen und oben auf dem Gipfel pfiff der Wind eiskalt. Auch Senta hatte den Aufstieg gemeistert und stand mit flatternden Ohren auf dem höchsten Berg von Kos. Ich weiß nicht, ob sie die schönen Ausblicke auch genießt, beim Wandern und Klettern geht sie aber völlig auf. Hoch motiviert krackselt sie Steilhänge und unwegsame Pfade hinauf, bei denen sogar ich manchmal einen Moment überlegen muss, wie ich da eigentlich hochkommen soll. Ich liebe es, meinen fast zwölfjährigen Hund so agil und voller Tatendrang durch die Natur stromern zu sehen.

Aus Neugierde und vielleicht auch weil wir testen wollten, wie ernst wir unsere Idee, auf Kos zu bleiben oder zu investieren wirklich ist, fragte ich bei den verschiedenen Reitställen auf Kos mal nach einem Job für den Sommer. Schnell war jedoch klar, dass die Bezahlung im Verhältnis zu der Arbeit, die solch ein Job mit sich bringt, in keinem Verhältnis stehen würde. Bei einem Stall jedoch bekam ich ein wirkliches Angebot, mit einer Bezahlung, die ein realistisches Szenario vor unseren Augen entstehen ließ.

Noch mussten wir jedoch keine Nägel mit Köpfen machen, denn für uns war ohnehin klar, dass wir noch ein paar andere Inseln erkunden wollten und, wenn überhaupt, erst später im Frühling wieder nach Kos zurückkommen würden.

Wie anderes sich alles entwickeln würde, konnten wir da aber auch noch nicht absehen.

Mitte Februar fuhren wir also wieder auf eine Fähre, diesmal mit dem Ziel Santorini, wo wir meinen 30. Geburtstag feiern wollten.

Bye, bye Kos….

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