2020-02-06 Grichenland

Gestrandet im Paradies

Aus aktuellem Anlass gibt es jetzt mal ganz aktuelle Neuigkeiten von uns, frisch und fluffig wie die Brötchen vom Bäcker (die ihr zum Glück IMMERNOCH jeden Morgen serviert bekommt)….!

Selbst wir kommen nicht umher zu bemerken, dass sich da draußen in der großen weiten Welt, die wir durch unsere Reise noch besser kennen und lieben lernen durften, etwas tut. Und zwar etwas, das vielen Menschen Angst macht. So viel Angst, dass sie aggressiv und ganz blöd werden oder sich von ihrer hässlichsten Seite zeigen und uns (und zum Glück auch Hunderttausende andere, die nicht so am Rad drehen!) ganz kopfschüttelnd zurücklassen.

Ein Virus hat die Welt fest im Griff. Beziehungsweise ist es nicht der Virus, der zurzeit regiert, sondern die Angst. Ein Virus ist schließlich „nur“ ein Virus und tut, was ein Virus eben tut…. Angst ist das, was wir in unseren Köpfen produzieren und wir können jeder Zeit darüber entscheiden, wie wir reagieren und uns verhalten wollen. Über das Thema Angst habe ich ja passenderweise meine Gedanken schon mal in einem anderen Beitrag geäußert. Und das gilt immer noch.

Anstatt sich jetzt in Weltuntergangsszenarien zu verlieren und so viel Klopapier zu horten, dass man sich in seiner eigenen kleinen Stadtwohnung einen vermeintlich virussicheren Klopapierbunker bauen kann, könnte man ja auch mal andere Wege versuchen, mit der Thematik umzugehen. In jeder Krise steckt auch eine Chance und so…

Aber ich wollte diesen Beitrag eigentlich gar nicht dazu nutzen, um die Situation herunter zu spielen oder weise Ratschläge zu verteilen. Alle Menschen, mit denen ich Kontakt hatte und habe, sind gottseidank völlig ruhig und besonnen in dieser Situation, egal wo auf der Welt sie sich befinden, und ich bin ganz arg stolz, dass ich offensichtlich ausschließlich coole und liebe Menschen kenne und meine Freunde nennen darf!

Eigentlich wollte ich einfach ein bisschen von unserer Situation erzählen und wie sich der Virus auf unsere Reise auswirkt. Also los…

Ja, wir sitzen fest. Das macht aber nichts. Wir sind derzeit auf einer winzig kleinen, 30 km² großen Insel südlich von Kreta gestrandet. Das Leben hier ist einfach. Es gibt ca. 50-60 tatsächliche Einwohner, dazu noch einige Aussteiger und Hippies, die in den Dünen in ihren selbst gebauten Hütten wohnen. Die Insel hat zwei Dörfer, einigen Tavernen, zwei Minimärkte, in denen man das Notwendigste zum Leben einkaufen kann, einen Arzt und eine Schule, für die zwei ansässigen Kinder.

Die Schule ist derzeit geschlossen und ob der Arzt, der eigentlich auf Kreta wohnt, zurzeit hier ist, wissen wir nicht. Die Tavernen sind geschlossen, daher sitzen nun die Alten im Dorf vor den Tavernen zusammen und trinken Bier aus dem Minimarkt (welches aktuell ein knappes und begehrtes Gut ist ^^). Es gibt auch eine Bäckerin, die phantastisches Brot bäckt. Und das mindestens einmal die Woche! Wenn wir also den richtigen Zeitpunkt treffen, bekommen wir leckeres, frisches Brot. Wenn wir am falschen Tag Einkaufen fahren, heißt es, vielleicht morgen wieder (was aber meistens heißt erst dann, wenn wieder genug Leute Brot bestellt haben… Also muss man einfach alle paar Tage mal vorbeischauen) Vor 11 Uhr braucht man aber sowieso erst gar nicht aufzutauchen, denn Stella, der Bäckerin, würde es im Traum nicht einfallen, extra früh aufzustehen, um Brot zu backen. Dass eure Bäcker also immer noch jeden Tag um 2 Uhr nachts aufstehen, um euch jeden Tag mit frischen Brötchen und Leckereien zu versorgen, dürft ihr also durchaus zu schätzen wissen.

Die Insel ist derzeit für Personenverkehr abgeriegelt. Kreta liegt in Sichtweite, aber die ganze Insel (wie die anderen griechischen Inseln auch) ist mehr oder weniger strenge Sperrzone. Und das ist auch gut und verständlich so, denn auf den Inseln ist die medizinische Versorgung meist rudimentär. Wir sind, soweit wir es dem Dorf-Gossip entnehmen können, Virus-frei hier und, da es viele alte Inselbewohner gibt, hoffen wir sehr, dass es auch so bleibt.

Gavdos ist aber auch ganz bestimmt kein schlechter Ort, um eine Weile festzusitzen. Wir dürfen uns auf der Insel frei bewegen. Die Einheimischen halten ein bisschen Abstand, aber wir haben auch schon tolle Menschen kennengelernt, mit denen wir gerne abends in ihren selbst gebauten Kavazzas (so heißen die kleinen Hütten und Bretterverschläge) zusammensitzen, kochen, lachen und uns Geschichten erzählen.

Das Thema Virus ist allerdings auch hier allgegenwärtig, außer bei Jorgos, der kein Wort darüber hören möchte, wodurch die Gespräche erfrischend vielseitig bleiben! Probiert es doch mal aus, einen Tag mal nicht über den Virus zu sprechen und euch mal wieder über andere Themen zu unterhalten. Gar nicht so einfach, aber uns gefällt es.

Die Versorgung mit Lebensmittel erfolgt übrigens weiterhin über die Fähren, die bei gutem Wetter regelmäßig und bei schlechtem Wetter nicht, also eben dann, wenn es wieder geht, von Kreta herüberkommen.

Leider ist der einzige Geldautomat, den es auf der Insel gibt, nicht in Betrieb und uns ging vor ein paar Tagen das Geld aus… Also haben wir im Minimarkt, in dem man uns ja schon als Kunden kannte, gefragt, ob wir das Geld online auf deren Bankkonto überweisen können. Zum Glück dürfen wir! Das ist nicht selbstverständlich, denn nicht jeder Grieche hat ein Bankkonto (es hat auch nur der Sohn der Minimarktbesitzer eines, die beiden Älteren nicht). Wir sind dankbar und gerührt über das Vertrauen, welches Fremden gegenüber gebracht wird und wissen, dass dies nicht selbstverständlich ist. Über die Versorgung mit Tomatensoße und Nudeln müssen wir uns also keine Gedanken mehr machen 😀 .Die Preise haben sich natürlich gewaschen und wir müssen schon ein bisschen gucken, dass wir etwas sparsamer leben und essen, was sich aber schon aus dem limitierten Angebot des Minimarktes ergibt. Auch hier gilt also, seid froh und dankbar, dass eure Supermärkte jeden Tag nahezu ALLES anbieten, was das Herz begehrt und die Preise (soweit ich weiß) auch noch nicht gestiegen sind!!

Natürlich ist es auch für uns ein etwas komisches Gefühl, festzusitzen und zu wissen, dass wir eben nicht mehr jeden Moment nach Hause fliegen oder fahren können, aber wir sind mehr als zuversichtlich und gelassen, dass sich die Situation wieder beruhigen wird und wir unsere (Heim-)Reise dann fortsetzten können.

Aktuell geht es uns gut hier. Wir fühlen uns wohl hier. Wir fühlen uns sicher.

Seht ihr die große steinerne Meeresschildkröte?

So nun wisst ihr erstmal, wo wir sind und wie wir hier so Leben, im nächsten Beitrag gibt es dann mehr davon, was wir hier schon alles Spannendes erlebt haben!

Ein Kommentar

  • Zeneide Bauer

    so schön von eurer Tour zu lesen und zu wissen, daß es euch soweit gut geht mit der Einfachheit…das ist Leben und das ist Freiheit, ohne Konsum. Ach wäre ich doch noch einmal jung wie IHR. Obwohl, darf mich nicht beklagen. Bin ja im Herzen jung geblieben…. ich Danke dem Universum, das ihr eure Erfahrungen mit uns teilt. Küsschen soll es regnen,

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