Die Mädels allein auf Tour

Die Mädels allein auf Tour

Es war seltsam Martin am Flughafen zu verabschieden. Über sechs Monate waren wir nun jeden Tag zusammen gewesen (ein Umstand, den ich vor der Reise kaum für möglich oder gesund gehalten hätte…). Etwas unsicher, aber auch aufgeregt, fuhr ich zurück nach Kemer. Dort parkte ich den Bus erstmal am Strand, um ein wenig meinen Gedanken nachzuhängen. Es stürmte und das Meer toste. Als es dämmerig wurde und sich aus dem Sturm ein handfestes Gewitter entwickelt hatte, entschloss ich, doch erstmal zur Farm zurück zu fahren.

Dort angekommen, zog ich aber nicht wieder in unsere Knastzelle ein, sondern entschied, ab jetzt auf der Farm im Bus zu schlafen. In der Nacht tobte ein heftiges Gewitter. Die arme Lucky suchte verzweifelt bei uns Schutz und kroch unter das Auto. Aber auch dort bildeten sich bald große Pfützen. Sie tat mi leid, aber ich konnte sie nicht ins Auto holen. Im strömenden Regen brachte ich sie, einmal quer über die Farm, in unsere Unterkunft, die allerdings keine richtige Tür hatte (wir hatten Couchdecken als Türersatz vor den Eingang genagelt ^^). Das einzige Zimmer mit funktionierender Tür, war unsere Knastzelle. Ich wusste aber nicht, ob sie im Zimmer bleiben würde, wenn ich sie dort einsperrte, denn sie war es ja nicht gewohnt, drinnen zu sein.

Ein ziemliches Dilemma. Am nächsten Morgen schlief sie etwas entfernt vom Bus in unsere Nähe, aber ich weiß nicht, ob sie die Nacht dort verbracht hat.

Die nächsten Tage regnete es ziemlich viel. Auf der Farm gab es nicht viel zu tun, denn bei Regen durften die Pferde nicht raus, es kamen keine Touristen und der Reitplatz verwandelte sich in ein Meer aus Pfützen. Mir hätte das nicht viel ausgemacht, ich bin schon unter ganz andern Bedingungen geritten, aber natürlich bekam ich das typische „maybe not“ zu hören und somit zog ich achselzuckend von dannen.

Neugierige Lucky

Ich schnappte mir stattdessen die Hunde und ging in den wilden Hügeln, die die Farm umgaben, ausgiebig wandern. Wir mussten ganz schöne Klettertouren absolvieren, um den gefährlichen Hofhunden auszuweichen, bzw. im Schutz der Berge und des Waldes zu bleiben.

Nach und nach räumte ich unsere Kammer leer und zog wieder vollständig in Don Busso ein. Ich hatte mich entschieden. Ich würde nicht länger auf der Farm bleiben. Ich fühlte mich nicht wohl und ohne Martin war es auch noch langweilig. Ich konnte nicht so mit den Pferden arbeiten, wie ich es mir gewünscht hätte und aufgrund einiger Diskussionen und dem Zustand einiger Pferde, beschloss ich, dass ich diesen Hof nicht länger unterstützen wollte.

Müslüms Frau, Derya, hatte mich mehrfach zu ihnen eingeladen. Dort wollte ich erst mal hin, um mir von dort einen Plan zu machen. Da es immer noch ständig regnete und auch die nächsten Tage nicht besser werden sollte, war es gut eine Anlaufstelle zu haben, wo ich duschen und auf die Toilette gehen konnte.

Don Busso im Vorgarten

Gesagt, getan. Am Abend fuhr ich los. Der Abschied von Lucky fiel mir unglaublich schwer! Aber so ist es nun mal. Man kann nicht jeden Hund, den man süß findet oder zu dem man eine Beziehung aufbaut auf Reisen mitnehmen. Sonst hätten wir mittlerweile schon ein riesen Rudel im Schlepptau. Und Lucky hat es ganz bestimmt nicht schlecht auf der Berke Ranch.

Ich durfte den Van vor Deryas und Müslüms Haus abstellen. Die nächsten Tage saßen wir viel beisammen, aßen gemeinsam und tauschten Erfahrungen aus. Ich fühlte mich sehr herzlich aufgenommen und war dankbar für die Gastfreundschaft. Nach einigen Tagen ließ der Regen endlich nach und die Sonne strahlte, als wolle sie etwas wieder gut machen! Das war mein Zeichen. Ich wollte losziehen. Roadtrip mit Senta.

Die Zeit bei Derya war super schön und sie war unglaublich lieb zu mir, aber mich packte der Entdeckergeist.

Ich arbeitete nebenher viel mehr als sonst (bei Content.de) und beschloss so, das Loch in der Reisekasse, dass durch den Tierarztbesuch entstanden war und auch die Einsparmaßnahmen, die wir eigentlich durch die Zeit auf der Farm eingeplant hatten, herauszuwirtschaften.

Nach einer kurzen aber herzlichen Verabschiedung setzte ich mich nun doch mit klopfendem Herzen ans Steuer und fuhr vom Hof, meiner Zeit alleine on the Road entgegen. Die erste Nacht verbrachte ich auf einem Parkplatz in Camyuva, einem Dorf an der Küste, nahe Kemer. Der Parkplatz war ziemlich gut besucht, denn es ist hier üblich mit dem Auto zu solchen Plätzen zu fahren und aufs Meer zu schauen (Viel mehr passiert dann aber nicht, vom Aussteigen halten die Türken nicht so viel). Vornehmlich Männer sitzen in den Autos und tun was sie eben da so tun. Entsprechend waren auch die Blicke von neugierig bis einigermaßen feindselig, als eine Frau, allein, in einem solchen Auto auf den Parkplatz fuhr.

Ich machte es mir mit Senta gemütlich. Aber es war trotzdem ein bisschen mulmig zu mute. Vielleicht war das mit dem alleine wildcampen doch keine so gute Idee? Naja mein Stolz und meine Neugier verboten es, zu Derya und dem Schutz des Hauses zurück zu fahren. Ich wollte das durchziehen.

Und dann passierte es. Es klopfte an die Scheibe. Mitten in der Nacht. In sechs Monaten und 20 Ländern hat NICHT EINMAL nachts an der Scheibe geklopft und ausgerechnet am ersten Abend, an dem ich alleine bin, passiert sowas?

 Ich fühlte mich ein bisschen vom Schicksal verarscht und dachte, okay, dann muss ich da jetzt durch. Mit einer Hand am Pfefferspray und einer Hand an Sentas Halsband, die immerhin lautstark versuchte uns zu verteidigen, öffnete ich vorsichtig die Tür. Draußen standen zwei Polizisten und blickten mich sehr überrascht an.

Die beiden sprachen natürlich kein Englisch. Also verständigten wir uns in gebrochenem Mischmasch darüber, ob es ein Problem gäbe? Ich versuchte Ihnen klar zu machen, dass ich kein Problem habe und mich lediglich erschrocken hatte. Als wir die Situation zur allgemeinen Zufriedenheit klären konnten und die beiden etwas verwundert und eher kopfschüttelnd wieder abzogen, kroch ich zurück in die Federn. Puh was für ein Glück. Ein kleiner Schock steckte mir noch in den Knochen, aber ich war froh die Situation gemeistert zu haben. Die beiden waren anscheinend sogar so besorgt um mich, dass sie am nächsten Morgen um sieben Uhr in der Frühe noch einmal klopften, um nach mir zu sehen. Damit weckten sie mich natürlich auf und ich schaute verschlafen aus der Tür, um ihnen erneut zu versichern, dass es mir gut ginge.

Mh im Nachhinein denke ich, dass es vielleicht doch kein so guter Platz war, wenn sich sogar die Polizei solche Sorgen gemacht hat, aber insgesamt sind die Polizisten in der Türkei einfach sehr neugierig und haben vielleicht nicht so viel zu tun. Da kommt ihnen eine kleine Kontrolle von Campern hin und wieder mal ganz recht. Wir haben ähnliches jedenfalls schon von mehreren Reisenden hier gehört.

Dank der beiden frühen Vögel, konnte ich einen wunderschönen Sonnenaufgang genießen und startete gut gelaunt in den Tag. Ich wollte mir die alte Ruinenstadt „Phaselis“ anschauen, die einige Kilometer östlich von Kemer liegt.

Nach dem Frühstück brachen Senta und ich also auf. Der erste Mädelsroadtrip. Wie aufregend.

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