Rumänien

Die Karpaten- das Kanada Europas

Immer hügeliger wurde unsere Route durch das Vorland der Karpaten und immer stärker schlängelten sich die Straßen durch die Landschaft. Das fruchtbare Land stand im satten Grün. Die Felder waren reif und mein Öko-Herz schlug höher, ob der Diversität der Ackerfrüchte und den klein parzellierten Feldern. So viele Wildlumen und Schmetterlinge. Der Osten Rumäniens ist wunderschön. Da wir nicht den ganzen Tag im Auto verbringen wollten, suchten wir uns nach ca. 200 km einen Platz für die Nacht. Und was für einen. Auf gut Glück bogen wir von der Hauptstraße ab und folgten einem Feldweg, immer weiter hinauf auf den Berg. Oben angekommen präsentierte sich ein wahnsinns Ausblick über die beginnende Bergkette und die, in den Tälern eingebetteten, Bergdörfer. Zu schön um es ausreichend beschreiben zu können. Pures Heidi-Idyll, inklusive Kuhglocken, dem Duft von Wildblumen und einem gigantischen Sonnenuntergang als Abendprogramm.

So schön der Ort auch war, wir haben ein wenig die Zeit im Nacken… am 28.07 müssen wir in Ungarn sein. Also ging es am nächsten Tag weiter. Über iOverländer waren wir auf einen Nationalpark in einem Bärengebiet aufmerksam geworden, der auf unserer Route lag. Bären? Achja hier gibt es einen Haufen wildlebende Bären und niemand gerät deswegen in Aufregung liebes Deutschland… Am späten Nachmittag trafen wir dort ein. Der Campingplatz war mit einem vertrauenserweckend hohen Elektrozaun umzäunt. Wir ließen Senta vorerst am Camp und erkundeten die umliegende Umgebung. Ein Naturpfad durch ein Moor führte uns in eine andere Welt. Das Wissen darum, dass dort Bären frei in den Wäldern leben, lässt einen schon etwas anders durch die Natur streifen. Mit voller Aufmerksamkeit lässt man seine Blicke wandern und bleibt an so mancher Baumwurzel hängen oder horcht intensiv in den Wald hinein. Leider waren wir ein bisschen zu spät um noch zum See St. Anna hinunter zu wandern, da in den Abendstunden dort so viele Bären unterwegs sind, dass die Ranger kein Risiko eingehen und Touristen nicht mehr hinunterlassen. Nagut. Ist ja zu unserer eigenen Sicherheit. Am Lagerfeuer auf dem Campingplatz waren wir trotzdem wie elektrisiert. In der Dämmerung und später im Schein des Vollmondes starrten wir zur Waldkante, immer in der Hoffnung doch einen sich bewegenden dunklen Fleck zu erspähen. Leider blieb Meister Petz wo er war und zeigte sich nicht (oder sind wir vielleicht doch zu früh ins Bett gegangen?!).

Nach dem Morgenkaffee gab es aber dann kein Halten mehr! Wir machten uns auf den Weg zum See, der aus einem alten Vulkankrater entstanden ist, bevor die Busladungen voll Touristen ankamen. Senta kam mit, mitgefangen, mitgehangen und wer weiß, vielleicht ist sogar ein Dalmatiner bei einer direkten Bärenbegegnung ein entscheidender Vorteil.

Senta wurde, je näher wir dem See kamen, tatsächlich immer aufgeregter. Sie schnüffelte intensiv und nahm Fährte in den Wald auf, ohne sich jedoch zu trauen, dieser zu folgen. Unten am See konnten wir es dann kaum fassen. Ein Ranger deutete am Waldrand nach oben. Und da stand, keine hundert Meter entfernt, eine enorme Braunbärin mit ihren drei Babybären und ging ihrem Tagewerk nach, während die Kleinen um sie herum tapsten. Ein Anblick bei dem man nicht nur ehrfürchtig wird…

Leider ist meine Kamera zu schlecht für bessere Bilder…

Einfach unglaublich cool und schön anzusehen und zu erleben wie friedlich und nah beieinander man doch in dieser Welt koexistieren kann. Senta war das Ganze jedoch überhaupt nicht geheuer. Intensiv roch sie in den Wald um sich danach abzuwenden und zielstrebig in die entgegengesetzte Richtung zu ziehen. Als wir ihr nicht folgen wollten, untermalte sie die Dringlichkeit ihrer Bitte NICHT näher an dieses riesige und unheimlich riechende Ding heranzugehen mit einem leisen fiepen und jammern. Wir waren total ergriffen von dieser Begegnung. Der See lag wunderschön vor uns und wir verbrachten den ganzen Vormittag dort, nicht ohne immer wieder aufmerksam das Ufer abzusuchen.

Eine tolle Erfahrung. Die Karpaten scheinen ein bisschen das europäische Kanada zu sein (zumindets stelle ich mir Kanada so vor ^^). Unendliche, dichte Wälder mit Bären und Wölfen, unberührten Seen, freundliche Menschen und eine einfach hinreißend schöne, ursprüngliche Natur.

Wir sind total verliebt in diese Gegend und gespannt was Rumänien noch so für uns parat hält. Morgen geht es in Richtung Transilvanien. Schloss Drakula erwartet unseren Besuch!

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