Ukraine

Die Einreise in die Ukraine- Ein kleiner Vorgeschmack?

Die Einreise in die Ukraine hielt einige Überraschungen für uns bereit. Als erstes Ziel wollten wir Charkiv, die ehemalige Hauptstadt der Ukraine besuchen, die unweit der Grenze liegt. Aber erst mal reinkommen. Anstehen an der Grenze kannten wir ja schon aus Russland, aber wir waren guter Dinge, da bisher alles so glatt verlaufen war. Die Ausreise nahmen die Russen allerdings sehr genau. Das Auto und wir wurden komplett durchgecheckt. Zunächst wurden die Visa und Pässe kontrolliert. Dann kam Don Busso an die Reihe. Der Grenzbeamte, ein junger Russe, nahm augenscheinlich mehr aus Interesse als aus Sicherheitsgründen, den Van sehr genau unter die Lupe. Alle Kisten, die Küche und die Dachbox wurden genau inspiziert und dabei wurden sein Kopfschütteln und Lächeln immer größer. Mit Senta gab es keine Probleme, sie war nach wie vor uninteressant. Nach dem gründlichen Check durften wir ausreisen. Soweit so gut. Damit war es aber noch lange nicht getan.

Die Einreise in die Ukraine war ein richtiges Abenteuer. Zunächst wurden unsere Pässe kontrolliert. Alles in Ordnung. Dann fuhren wir eine Station weiter und auch hier hieß es: ausräumen, Dachbox auf, Kisten runter, Komplettkontrolle. Die uniformierten Beamten auf dieser Seite lächelten allerdings nicht und ihre Mienen verriete auch kein gesteigertes Interesse an den Raffinessen des CamperVans, vielmehr wurden die Mienen immer finsterer, je mehr Kisten zum Vorschein kamen. Für den Hund interessierte sich allerdings auch hier niemand. Einreise ähnlich spektakulär wie in Russland.

Da die grimmigen Beamte nichts finden konnten, was die Einreise vereitelt hätte, ließ man uns unser Hab und Gut wieder einräumen und wir durften weiterfahren. Aber zu früh gefreut! Bei der tatsächlichen Einreise schickte uns der Grenzsoldat wieder zurück, da uns offensichtlich irgendwo auf den Papieren ein Stempel für das Auto fehlte. Na super. Also wieder zurück und noch mal am Schalter anstellen. Nach kurzer Verwirrung bekam Martin aber den fehlenden Stempel doch noch von den Beamten und wir durften die Grenze passieren.

Wir waren drin! Warum der Grenzsoldat uns mit einem „Good luck“ (Viel Glück) in sein Land entließ, wurde wenige Meter später klar. Die ukrainische Grenzpolizei winkte uns, kaum waren wir drin, auch gleich wieder raus. Auto Check. Türen auf, Kisten raus, eine Inspektion des Kühlschrankes, wobei die zwei Bierflaschen ganz besonders die Aufmerksamkeit des dicklichen Grenzpolizisten erregten und unserer Geldbeutel. Ob wir noch mehr Alkohol dabei hätten, war die Frage in einem abenteuerlichen Mix aus englisch und russisch. Wir verneinten. Zunächst wunderten wir uns nicht. Wir waren müde, es war mittlerweile gegen 2 Uhr morgens und wir wollten einfach nur noch einen Platz zum Schlafen finden und ankommen.

Dann aber wurde Martin gebeten mit in das Büro der Wache zu kommen. Ich blieb im Auto und wurde langsam unruhig. Ich sah durch das Fenster, dass dort drinnen wohl diskutiert wurde. Plötzlich stand der Dicke wieder neben mit am Fenster und versuchte mich im scharfem Ton zu fragen, wann Martin das Bier getrunken hätte. Sein englisch war allerdings wirklich sehr gebrochen und ich tat als verstünde ich ihn nicht bzw. beharrte darauf, dass Martin NICHTS getrunken hatte, was ja auch der Wahrheit entsprach. Nach ca. 20 Minuten kam Martin zum Auto zurück und fragte nach meinen Zigaretten. Bestechung. Die Polizisten hatten ihm erklärt, dass man in der Ukraine 72 Stunden nichts getrunken haben dürfe, um Auto zu fahren und dass sie uns 48 Stunden lang festhalten dürften. Sie würden sich jedoch über ein paar Geschenke freuen und uns dann passieren lassen…. Die Tests die Martin während des Verhörs angedroht wurden, welches mittels google Translater auf dem Handy des einen Beamten geführt wurde und denen er zugestimmt hatte, wurden natürlich nicht durchgeführt. Trotzdem hat das Ganze mitten in der Nacht, umgeben von Natodraht, unmittelbar nach dem Kontrollprozedere an der Grenze einen ziemlichen Eindruck auf uns gemacht und um der Situation schnellstmöglich zu entkommen, ließ Martin sich auf den Deal ein. Sicher hätten wir auf unser Recht bestehen, mit der Botschaft telefonieren, nach einem Dolmetscher verlangen oder uns ganz einfach weigern können, aber 5 Euro und ein Päckchen Kippen später, waren wir wieder auf der Straße und sahen zu, dass wir die Grenze schleunigst hinter uns ließen.

Das war also der Empfang in der Ukraine. Nunja. Nicht gerade der beste erste Eindruck und nach den unkomplizierten und freundlichen Erfahrungen in Russland ein kleiner Kulturschock. Aber ein bisschen Zeit bleibt ja noch um den ersten Eindruck wieder gerade zu biegen…

03.-04.07.2019

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