Griechenland

Der Unfall

Was auf unseren Besuch in Sparta folgen sollte, konnten wir am Morgen noch nicht ahnen. Es sollte das schlimmste Ereignis werden, dass wir auf der Reise bisher erlebt haben und nur dank all unsere Schutzengel sind wir heute noch zu dritt unterwegs.

Wir hatten einen Ausflug nach Monemvasia, einer alten Klosteranlage, geplant. Die Klosterbauten liegen auf einer Halbinsel, hoch oben auf einem Felsen und versprachen ein schönes Tagesziel zu werden. Bei stürmischem Regenwetter ging die Fahrt los. Die Stimmung war, seit wir den Strand verlassen hatten, irgendwie komisch aufgeladen gewesen. Ob wir geahnt hatten, dass etwas Furchtbares passieren würde?

In Monemvasia angekommen, suchten wir einen Parkplatz etwas abseits und machten uns zu Fuß auf den Weg zur Felsinsel. Eine Brücke führte vom Festland auf den Felsen zu. Wir waren alle irgendwie in unsere eigenen Gedanken verwickelt, ich musste pinkeln und suchte nach einer Toilette, Martin war in ein Infoschild vertieft und Senta tapste unbedarft auf der Brücke umher. Sie stand auf der anderen Straßenseite der Brücke als ich und ich war davon ausgegangen, dass dort keine Autos fahren würden, denn jemand hatte uns gesagt, Autos seinen auf der Insel verboten (und machten dort auch keinen Sinn). Eine fatale Fehlinformation.

Und dann ging alles ganz schnell. Ich sah den roten Pick Up noch aus den Augenwinkeln, sah wie Senta sich zu mir umdrehte, konnte nicht schreien, nichts rufen, war wie gelähmt und dann hörte ich das Geräusch. Das Auto hatte Senta erwischt!

In voller Panik rannte ich zu ihr und als ich sie am Boden liegen sah und ihren Schrei gehört hatte, dachte ich, ich hätte sie verloren. Aber sie lebte, war sichtlich unter Schock. Martin rannte zu dem Auto und diskutierte mit dem Fahrer, doch ich achtete nicht wirklich darauf. Senta hatte augenscheinlich nur ein paar Kratzer, doch ich ging davon aus, dass sie innere Verletzungen haben musste. Schnell standen einige Passanten um uns herum. Ich bat Martin das Auto zu holen. Ich wollte sie einfach nur so schnell wie möglich zum Tierarzt bringen. Kosten und die Schuldfrage waren mir vollkommen egal. Ein sehr netter Passant bot mir an, einen Tierarzt in der nächsten Stadt anzurufen und uns anzukündigen. Am Telefon erreichten wir aber niemanden.

Der Fahrer des Pick Ups war auch wirklich schockiert und es tat ihm leid. Er bot uns an, voran zu fahren und uns den Weg zum Tierarzt zu zeigen. Die Fahrt dauerte fast 30 Minuten, Senta hechelte stark und schloss immer wieder erschöpft die Augen. Ich hatte so unglaubliche Angst, dass sie ernsthaft verletzt sein könnte, oder sogar sterben würde. Ich machte mir solche Vorwürfe nicht aufgepasst zu haben. Aber das brachte auch niemanden weiter.

Der griechische Tierarzt war sehr ruhig und ließ uns nicht lange warten, obwohl er gerade einen anderen Hund behandelte. Wir trugen Senta ins Behandlungszimmer. Sie hasst Tierärzte und ich sah die Angst in ihren Augen. Mein armer Hund. Der Doc machte ein Ultraschall. Alles heile! Er tastete alles ab und prüfte ihre Mobilität. Nichts gebrochen! Er sagte, wenn eine Rippe angebrochen sei, könne man bei Hunden ohnehin nicht viel tun, es sähe aber nicht danach aus. Sie habe lediglich einen Schock, bekäme nun Schmerzmittel und Antibiotika und bräuchte viel Ruhe. Wir waren so erleichtert. Ich atmete das erste Mal wieder richtig durch seit dem Unfall. Wir hatten so ein riesiges Glück! Ihr war NICHTS passiert!

Ich kann es heute noch kaum fassen und es jagt mir einen Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke. Das Geräusch, wie sie vom Auto getroffen wurde, werde ich nie vergessen,

Nachdem wir sie wieder ins Auto gebracht hatten, schlief sie auch sofort ein. Wir beschlossen unsere Rundtour abzubrechen. An Sightseeing war nicht mehr zu denken und meine Nerven lagen völlig brach. Wir hatten die Situation gut gemeistert und waren ruhig geblieben, aber jetzt fiel die Anspannung von mir ab und ich wollte nur noch Ruhe.

Wir wollten zur Bucht zurückfahren und uns dort erholen und vor allem Senta die Ruhe gönnen, die sie jetzt brauchte.

Die Fahrt würde allerdings zu lange dauern und wir wollten Senta auch nicht zu doll strapazieren. Wir suchten einen Spot in der Nähe. Abends schon sprang sie wieder von alleine aus dem Auto und hinein und machte einen etwas verpeilten, aber ganz munteren Eindruck. Die Schmerzmittel des Tierarztes müssen ganz nett gewirkt haben.

Am nächsten Tag erreichten wir unser Ziel und Senta war schon fast wieder die Alte. Unglaublich wie sehr ein Hund im JETZT lebt. Mir und Martin saß der Schreck noch etwas tiefer in den Knochen. Ich habe lange darüber nachgedacht, warum das passiert ist. Ich glaube an Zusammenhänge. Ich denke unsere Unruhe, fast schon eine Unzufriedenheit hat etwas damit zu tun. Wir waren nicht mehr bewusst, nicht in unsere Mitte, nicht im Moment. Sorgen und triste Gedanken hatten uns beherrscht. Aber negative Gedanken ziehen negative Ereignisse an. Ich bin zwar etwas schockiert, das das Schicksal meinen Hund benutzt hat, um mir eine Botschaft zukommen zu lassen und habe es inständig gebeten, dies nicht noch einmal zu tun, aber ich denke das Ganze war ein Zeichen. Es ist ihr NICHTS passiert. Aber wir sind aufgewacht. Wir waren uns sofort wieder einig. Mein Blickfeld änderte sich in Sekunden. Das Wichtige und alles Positive was wir haben und tun können, werden einem in so einem Moment schlagartig bewusst und das Negative wird so unwichtig.

Der Unfall hat mich wieder 100 % fokussiert, geerdet und den Blick neu ausgerichtet. Es ist schade, dass es manchmal einen solchen Schreck, ein Aufrütteln braucht um zu erkennen, was von Bedeutung ist. Ich bin nach diesem Vorfall aber umso dankbarer dafür, dass wir alle bei bester Gesundheit sind, reisen können und so viel unfassbar Schönes erleben und sehen dürfen.

Und am dankbarsten bin ich, dass meine Kleine noch immer fröhlich und munter mit von der Partie ist!

zwei Tage nach dem Unfall…Senta ist ganz die Alte!

Wir verbrachten noch einige Tage in der Bucht und erholten uns von dem Schock. Martin hatte ein glückliches Anglerhändchen, wir sammelten Pilze und genossen die Natur.

12.11-19.11.2019

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