Der Heimritt

Der Heimritt

Wir bestiegen also am 24.06.2020 die Fähre von Chania nach Athen. Dort kamen wir auch das erste Mal so richtig mit dem Thema Corona in Berührung, als man uns ohne Masken nicht auf das Schiff lassen wollte. Herrje. This shit is getting real. Also haben wir uns die ersten Masken besorgt und unseren Minizoo in die Kabine verfrachtet. Auf dieser Fähre durfte man nun endlich das erste Mal offiziell eine Kabine mit Tieren beziehen. Die Fahrt über Nacht war völlig unproblematisch und beide haben sich wie immer vorbildlich verhalten.

Von Athen aus fuhren wir dann in einem Rutsch auf den mittleren Finger der Halkidiki. Auch diesen Umrundeten wir in drei Tagen, wobei wir feststellen mussten, dass die Sandstrände und türkisen Buchten uns langsam gar nicht mehr so viel Begeisterung entlockten, wie noch vor einigen Wochen. Himmel, man wird aber auf verwöhnt auf Kreta. Dazu kam, dass es nun an den Stränden vor Touristen wimmelte. Wir fühlten uns müde und irgendwie war die Heimreise im Kopf so präsent, dass man die letzten Tage am Strand gar nicht so richtig genießen und wertschätzen konnte. Trotzdem können wir auch die Halikidiki jedem ans Herz legen, denn auch hier gab es schöne Buchten, Strände und Ausflugsziele.

Kater und Köter hielten sich tapfer auf den Fahrtstrecken, und das Wetter spielte uns auch ein wenig in die Karten, da es in Richtung Norden immer bewölkter wurde. So konnten wir an einem Tag den Grenzübergang und die Fahrt bis in den bulgarischen Pirin Nationalpark schaffen.

Nun waren wir endgültig und offiziell aus Griechenland ausgereist. Nach fast 6 Monaten. Ein komisches Gefühl. Noch trösteten wir uns mit dem Gedanken, dass man ja auch wieder zurückkommen könnte, wenn man es eben wollte. Tief im inneren wussten wir jedoch, dass wir, in Deutschland angekommen, wohl erst mal andere Herausforderungen und Realitäten würden bearbeiten müssen und dass, in Anbetracht der Grenzsituationen, keine Planung oder Garantie für Reisefreiheit besteht.

Reisen als Lebenseinstellung

Es ist schon komisch, dass das Reiseleben so vollkommen in diesem Jahr so vollkommen zu unserer Lebensrealität geworden ist. Die Aussicht auf ein „Festsitzen“ im Sinne von „nicht mehr mobil und unterwegs zu sein“ machte mich sehr unsicher und rief keine angenehmen Gefühle hervor. Mein Alltag war der tägliche oder doch zumindest wöchentliche Szenenwechsel geworden, Erlebnisse die sich beim „in den Tag hineinleben“ ergeben, der Alltag des nicht-alltäglichen. Die Gedanken an Deutschland, eine feste Arbeit, eine Wohnung, kamen mir absurd und beklemmend vor.

Meine Freunde und Familie waren mein Sonnenlicht und der Polarstern, den es zu erreichen galt. Auf sie freute ich mich unheimlich und ich hoffte und wünschte mir, dass sie all die negativen und komischen Gedanken wegwischen würden, wenn ich in einem Deutschland ankommen würde. In ein Deutschland, das durch einen Virus in seinen Grundfesten erschüttert und, dass sich voller Angst und Misstrauen, noch weiter von meinen persönlichen Einstellungen entfernt hatte, als jemals zuvor. Ich konnte direkt fühlen, dass ich mir in meinem Heimatland fremd und unangepasst vorkommen würde.

Schritt für Schritt Richtung Heimat

Trotzdem hatten wir eine tolle Zeit auf der Heimreise und konnten die düsteren Gedanken oder die Unsicherheit, die sich ein wenig Breit machte, auch wegschieben, bzw. eher wegwandern. Dafür eignet sich der Pirin Nationalpark bestens! Die Bilder sprechen für sich. Die wunderschöne Landschaft und die tollen Gletschers Seen lassen jede Wanderung wie ein echtes Bergabenteuer erscheinen.

Leider machte Senta uns etwas Sorgen, denn sie entwickelte mysteriöse Krankheitszeichen, die mich alarmierten. Alle Tierarztbesuche (in drei verschiedenen Ländern) ergaben dann allerdings, dass es nichts allzu Akutes sein kann, denn Röntgenaufnahmen und Blutwerte sind für ihr alter top in Ordnung!

Ja auch meine gute, treue und langjährige Begleiterin hat in dieser Zeit auf Reisen mehr erlebt, als manch andere Hund in seinem ganzen Leben. Da macht es nichts, das die Augen ein wenig trüber, die Hüfte ein wenig steifer und die Ohren ein wenig tauber geworden sind…

Nach dem Besuch im Pirin Nationalpark ging es weiter nach Sofia, wo wir einen Tag und eine Nacht campierten. Senta und ich verbrachten die Zeit in einem der rieseigen Stadtparks, während Martin die City erkundete, Louie passte auf Don Busso auf. Perfekte Arbeitsteilung!

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