Albanien

Das Wasser steht uns bis zum Hals…

Die Flut und eine wundervolle Begegnung

Im Nationalpark Divjake-Karavastar kann man mit dem Auto bis an die Welle fahren. Ein kilometerlanger Sandstrand erstreckte sich vor uns. Auf meinem Spaziergang mit Senta traf ich sogar ein paar wilde Pferde. Am Abend lernte ich beim Hundespatziergang Julie kennen. Eine Holländerin, die mit ihrem Freund, genau wie wir, auf Langzeitreisen ist. Sie hatten kürzlich den kleinen Beni aufgenommen, einen Straßenhund, den sie auf einer Müllhalde gefunden hatten.

In der Nacht tobte ein heftiges Gewitter. Der ganze Bus wackelte, Senta war völlig fertig mit den Nerven, sie hasst Gewitter, und sogar mir wurde es etwas mulmig. Nur Martin schlief seelenruhig. Im Morgengrauen klopfte es an unser Fenster. Verwundert schauten wir hinaus und erschraken! Wir standen mitten im Wasser! Der Regen hatte die Landzunge verschluckt und wir standen knöcheltief im Wasser. Der Holländer war zu uns gewatet um nach uns zu schauen. Sie selbst hatten sich auf eine höher gelegene Sanddüne gerettet, aber er hatte immer nach uns geschaut und gedacht „ach wenn die Deutschen da noch stehen, kann es nicht so schlimm sein“. Hahaha, den Deutschen wird also in Krisensituationen vertraut, aber wir hatten tief und fest geschlafen und nichts von der brenzligen Situation mitbekommen. Zum Glück behält Martin in solchen Lagen immer einen extra kühlen Kopf. Er fand mit dem Auto einen Weg durchs Wasser und wir entkamen der riesen Pfütze ohne Schäden.

Leider habe ich in der ganzen Aufregung kein Foto von dem Schlamassel gemacht…

Nun aber steckten die Holländer fest! In strömendem Regen lief Martin zurück um zu schauen, wie wir nun ihnen helfen könnten. Nichts zu machen, der Mercedes hatte sich bereits tief im Sand festgefahren. Wir hatten vor einem kleinen Café gehalten, das bereits zu dieser frühen Zeit (es war etwa mittlerweile etwa gegen sieben) geöffnet hatte. Auch die zwei Dorfpolizisten mit ihrem Jeep waren schon auf den Beinen. Die albanische Polizei präsentierte sich wirklich als Freund und Helfer und sie kamen sofort mit, um den großen Mercedes 508 D aus dem Dreck zu ziehen. Dann ging alles ganz fix. Julie und Farsan waren wieder auf festem Boden, der Regen hatte aufgehört und wir beschlossen nach dieser Aktion erst mal zusammen zu frühstücken.

Dabei verstanden wir uns so gut, dass wir entschlossen ein Stück gemeinsam weiter zu fahren. Die Stadt Berat sollte das nächste Ziel sein.

Wir waren sehr überrascht von Berat. Eine tolle Stadt. Der Parkplatz vor der alten Universität, die nun in ein fünf Sterne Hotel umgebaut wurde (na klar, Tourismus ist schließlich wichtiger als Bildung *Ironie*), bot einen super Stellplatz. Wir erkundeten die „Stadt der tausend Fenster“ und waren ganz angetan von dem altertümlichen Flair. Die alte Festung oben auf dem Berg verspricht Geschichtsinteressierten spannende Einblicke in die Zeit des Osmanischen Reiches. Da der Regen für einen Tag der Sonne gewichen war, genossen wir das Wetter bei ausgiebigen Spaziergängen.

Uns zog es jedoch weiter. Julie und Farsan mussten noch etwas in Albanien warten, um alle Papiere für Beni zu bekommen. Wir wollten uns aber in Griechenland noch einmal treffen und ein paar Tage gemeinsam verbringen.

Oberhalb der Stadt Vlore gibt es eine Bucht, die wir für die Nacht ansteuerten. Zwar kamen wir wieder erst in der Dämmerung an, aber dieser Ort war auch im Dunkeln beeindruckend!

Ein Sturm pfiff uns um die Ohren und peitschte das Wasser an die schroffen Felsen. Wir stellten Don Busso quer zum Wind, was wir in der Nacht noch einige Male bereuten, den es schaukelte und wackelte, dass ich fürchtete wir würden abheben oder Don Busso umkippen. Das ist natürlich Quatsch, aber man merkt die Bedrohlichkeit der Naturgewalten doch sehr viel deutlicher wenn man nur durch eine Blechwand davon getrennt ist. Ein Sturm oder ein ordentliches Gewitter werden da schon mal zum abendfüllenden Erlebnis und mit einer Tüte Knabberzeug und schön in die Decke eingemummelt, kann man ewig aus dem Fenster schauen und das Schauspiel betrachten. Nur Senta tut mir immer ein bisschen leid. Ihr wäre ein ordentliches Haus aus Steinen mit dicken Wänden schon lieber, damit sie das Gewitter nicht so unmittelbar erlebt.

Am nächsten Morgen erkundeten wir die Steilküste und ließen uns den Wind um die Ohren wehen. Herbststürme sind schon etwas Gewaltiges. Wenn mit solcher Macht und Kraft der Sommer davon gepustet wird und sich die kalte Jahreszeit ankündigt ändert sich auch die innere Stimmung. Auch wir werden ruhiger, bedächtiger. Der Wechsel der Jahreszeiten ist immer etwas Besonderes und in der Stadt hatte ich fast vergessen wie schön es eigentlich ist! Im Stadtleben, neben der Arbeit und dem vielen Stress den man sich oft macht, kommt man gar nicht dazu den Sommer zu verabschieden. Man ist schnell genervt von dem Regen und der Dunkelheit, der Käte und dem Wind. Dabei gehört das alles zum Kreislauf dazu! Und wenn man innerlich ruhig und bewusst ist, ist es sogar sehr schön! Man muss sich nur die Zeit nehmen, den Umschwung in der Natur wirklich wahrzunehmen. Dann kann man auch in dieser Jahreszeit viel entdecken und draußen sein.

03.11-06.11.2019

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