Ukraine

Charkiw- die ehemalige Hauptstadt der Ukraine

Nach der abenteuerlichen Einreise waren wir endlich in Charkiw, der ehemaligen Hauptstadt der Ukraine angekommen. Die erste Nacht nach dem abenteuerlichen Grenzübergang (mehr dazu hier) verbrachten wir auf einem Parkplatz im Gorki Park. Das Tor zum Parkplatz stand in der Nacht auf, das empfanden wir als Einladung. Am nächsten Morgen wurden wir mit einem schönen Ausblick auf den sehr ordentlich und akkurat gestalteten Park belohnt. Leider durften wir mit Senta hier nicht spazieren gehen, also hieß es gleich nach dem Frühstück Rückzug. Der Wärter an der Schranke war etwas ungehalten, als wir ihm kein Parkticket zeigen konnten, aber mangels ukrainischer Hrivne, ließ er uns schimpfend passieren. Wir hatten uns entschieden, für ein oder zwei Nächte in ein Hotel einzuchecken, da Stadtbesuche mit Senta bei sehr heißen Temperaturen sehr anstrengend für sie sind. Nach der langen Zeit im Bus, war auch der Ausblick auf eine richtige, heiße Dusche sehr verlockend und da die Preise in der Ukraine wirklich sehr günstig sind gönnten wir uns ein paar Tage.

Charkiw ist wirklich eine ganz besonders schöne Stadt. Der alte Stadtkern umfasst viele Parks und die alten Stadthäuser sind, im Gegensatz zu den Städten in Russland, die wir besucht hatten, nicht so unendlich in die Höhe gebaut, sodass etwas mehr Licht und Luft in die Straßen fällt. Es gibt viel zu sehen in Charkiw. Den Freiheitsplatz zum Beispiel, den größten Stadtplatz Europas. Er war wirklich von beeindruckendem Ausmaß. Auf ihm findet man auch die Zelte der pro-ukrainischen Organisation. Hier vor dem Parlamentsgebäude machen sie auf den derzeitigen Konflikt und Kriegszustand im Donezkbecke, kurz Donbas, der hier unten greifbar nah erscheint, aufmerksam und sammeln Geld zur Unterstützung der Truppen vor Ort, da der Staat die Milizen scheinbar nicht ausreichend unterstützen kann oder will.

Der „Konflikt“ um die Krim und die Grenzregion im Donbas, wie der Krieg in der Region verharmlosend in den europäischen Medien beschrieben wird, begleitet uns schon eine ganze Weile. Junge Russen und Ukrainer können die Grenzen nicht mehr ohne weiteres passieren. Auch wir entschieden uns für den ca. 1000 Kilometer langen Umweg um nicht bei Mariopol die Grenze zu überfahren. Es wird zwar zur Zeit wohl nicht geschossen aber laut einigen unserer Bekanntschaften aus Russland herrscht eben „ein bisschen Krieg“ dort (insbesondere im Donbas). Die Frage um die Zugehörigkeit der Krim scheint so gut wie entschieden, ob endgültig, darüber gibt es auf den verschiedenen Seiten der Grenze ganz unterschiedliche Meinungen.

In Charkiw selbst bekommt man, trotz der Nähe zur russischen Grenze (noch) nichts von den militärischen Aktionen mit. Ganz im Gegenteil. Die Stadt ist belebt, es gibt 42 Universitäten und Hochschulen, sechs Theater und viele Museen (unter anderem das Museum of the Sexual Cultures of the World, was wir uns natürlich nicht entgehen ließen und was wirklich einige sehr interessante Fundstücke bereithält!).

Auch im Nachtleben tummeln sich viele junge Ukrainer auf den Straßen, man fühlt sich sicher und endlich kehrt auch ein wenig Englisch in unseren Alltag zurück! Natürlich war es aufregend in Russland fast nur auf Russisch kommunizieren zu können, ein bisschen mehr Englisch erleichtert die Kommunikation jedoch ungemein.

Wir haben uns sehr wohl gefühlt und die Stadt und den Aufenthalt hier sehr genossen. Die Preise sind überall unglaublich günstig, 80 Cent für ein Bier (am Bierpreis kann man die Länder doch immer noch am besten vergleichen 😀 ), Essen gehen für Zwei im superschicken Rooftop Restaurant für ca. 30 Euro… Aber natürlich locken nicht nur die Preise. Diese Stadt hat unglaublich viel zu bieten, eine wirklich interessante und erlebbare Geschichte, befindet sich in einer spannenden, fast angespannten Situation, deren Ausgang viele Weichen stellen kann.

04.07.2019-07.07.2019

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