2020-01 Türkei

Arbeiten auf einem Pferdehof in der Türkei

Nach der kleinen Auszeit in Pamukkale fuhren wir weiter Richtung Kemer, einer kleinen Stadt, nahe Antalya. Dort hatten wir über Workaway einen Hof gefunden, auf dem wir arbeiten wollten, um für Kost und Logis einen Monat zu bleiben.

Auf dem Weg dorthin, machten wir noch einen Zwischenstopp. Der Platz war nichts Besonderes, ein Parkplatz an einem See neben der Autobahn/Schnellstraße. Leider gab es einen unschönen Vorfall mit den dortigen Straßenhunden. Hier in der Türkei sind die wilden Hunde fast alle Herdenschutzhunde wie Kangals, Akbash oder Maremmano und die wildesten Mischlinge dieser Rassen. Diese Hunde sind wirklich territorial, groß und ziemlich angriffslustig. Mit denen möchte man keinen Streit.

In der Nacht, wir hatten die Hunde zu spät bemerkt, musste ich noch mal aus dem Auto, Senta wollte mit, entdeckte die Hunde, begann das Auto zu verteidigen und schon war der Tumult perfekt. Zum Glück hatten wir Martin im Rücken und er zog Senta in den Bus und ich konnte die Hunde verscheuchen. Der Vorfall war aber trotzdem ein ziemlicher Schock und das erste Mal, dass eine Begegnung mit Straßenhunden eskalierte. Seiher sind wir vorsichtiger, wenn wir Rudel dieser Hunde sehen und meiden eine Konfrontation.

Zum Glück erreichten wir Kemer ohne weitere Zwischenfälle. Eine Nacht hatten wir noch im Gulluk Mountain Termessos National Park übernachtet und den beeindruckenden Blick auf die Stadt Antalya und den riesigen Canyon genossen.

Auf der Farm angekommen, wurden wir von Müslüm, einem der Arbeiter der Farm, in Empfang genommen. Der Pferdestall lag auf dem Gelände einer schicken Hotelanlage. Alles sah auf den ersten Blick sehr ordentlich aus.

Der erste Eindruck war gut…

Müslüm zeigte uns unsere Unterkunft. Da bekam die Euphorie das erste Mal einen Dämpfer. Die Zimmer sahen aus wie Knastzellen, klein, kahl, kalt und feucht. Das Klo und die Dusche hatten schon sehr lange keine Reinigung mehr erfahren und insgesamt wirkte die Unterkunft sehr abgerissen. Auf der Terrasse stand Wasser vom Regen der letzten Tage. Mh, so hatten wir uns unsere schöne Pferdefarm zum Überwintern nicht vorgestellt. Aber nun gut. Wir waren immer noch hoch motiviert und wild entschlossen, das Projekt Workaway in Angriff zu nehmen. Also wurden sämtliche Putzutensilien aus dem Bus herangeschleppt und, ganz in deutsche Manier, erst mal grundreine gemacht. Danach fühlten wir uns ein bisschen wohler.

Da Don Busso in den nächsten Tagen in die Werkstatt sollte, er war in letzter Zeit auffällig laut beim Fahren gewesen, mussten wir uns so oder so erstmal mit der Bleibe abfinden.

Am nächsten Tag fanden wir uns zur Arbeit im Stall ein. Ich war sehr interessiert, wie es laufen würde. Ich war mir wohl gewahr, dass meine deutschen Standards und Ansprüche an die Pferdehaltung hier wohl kaum erfüllt werden würden. Also war ich schon froh, dass wenigstens die Stuten und einige Wallache täglichen Freigang auf dem Paddock hatten. Zäune, Equipment, Futter und Zustand der Pferde sind und bleiben jedoch, mit dem was man aus Deutschland kennt, nicht vergleichbar.

In den folgenden Tagen kam es, auch aufgrund dieser kulturellen Unterschiede und unterschiedlicher Vorstellungen zu einigen Missverständnissen. Nachdem wir uns den Ablauf auf der Farm einige Tage angesehen hatten und auch schon Touristen auf einige Ausritte begleitet hatten, zogen wir ein erstes Fazit.

Wir waren ein wenig ratlos. Alles, von der Unterkunft bis zum Reiten und der Pferdehaltung war grenzwertig. Nicht katastrophal (wie gesagt, deutsche Standards kann und darf man im Ausland einfach nicht zur Grunde legen), aber eben auch nicht gut. Wir waren hin- und hergerissen.

Don Busso befand sich in der Werkstatt. Wir konnten also auch nicht wirklich weg. Wir hatten mit Senta noch mal zum Tierarzt gemusst, zum einen, um endlich eine Tollwut-Antiköper-Test zu machen, den wir für den Iran brauchen würden (und eigentlich schon lange gebraucht hätten, aber wir wurden nie danach kontrolliert). Zum andern hatte Senta Magen-Darm und ich wollte sichergehen, dass es nichts Schlimmeres war. Die Rechnung, die der Arzt uns für den Bluttest und ein paar Elektrolyte präsentierte, hatte sich aber gewaschen. Über 300 Euro mussten wir bezahlen. Aua. Das tat weh und riss ein Loch in die Reisekasse.

Daher blieb uns vorerst nichts Anderes übrig, als dem Alltag auf der Berke Ranch zu folgen. Lucky, der Hofhund, war ein echter Lichtblick und brachte Leben und Freude in den Alltag. Auch die Zeit mit den Pferden war schön, wenn doch einige auch sehr klapprig aussahen.

Ich konnte auch mit einigen Pferden arbeiten, so wie es mit dem Besitzer eigentlich abgesprochen war. Die Verständigung mit dem Arbeiter und dem Chef war jedoch schwierig und nachdem wir die erste Woche jeden Tag durchgearbeitet hatten, suchten wir das Gespräch.

Darauf reagierte der Chef ziemlich hitzig. Er erklärte, dass die Dinge hier nun mal anders laufen würden und wenn wir es so haben wollten, wie in Deutschland, sollten wir doch dableiben. Außerdem habe er uns nicht zum Arbeiten verpflichtet, wir könnten ja jederzeit gehen oder Pausen machen. In diese Richtung hatten wir das Gespräch gar nicht laufen lassen wollen, aber es war schwierig ruhig und vernünftig zu einer Einigung zu kommen.

Am Ende fühlten wir uns komisch. Wir sollten nun eine Woche frei nehmen. Aber war das die Lösung?

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