2019-12 Griechenland

Ärger im Paradies und die Erkenntnis, dass wir schon verdammt weit gekommen sind…

Nach der Zeit in der Cavazza ging ich ein bisschen alleine auf Entdeckungstour. Ich hatte von einem Garten mehr im Innern der Insel gehört. Den wollte ich mir unbedingt ansehen. Elohim hatte davon gesprochen, dass er gerne ein Gartenprojekt starten würde, aber mehrere Menschen dazu bräuchte.

Da sich in der ganzen Zeit, die Lage mit dem Virus zugespitzt hatte und es klar war, dass wir momentan wohl am besten hier auf der Insel aufgehoben waren, dachte ich, ein Garten könnte Spaß machen.

Gesagt getan, ich lief dorthin. Unterwegs begegnete ich Michal, einem polnischen jungen Mann der sich im Garten niedergelassen hatte. Er war als Rucksacktourist auf Kreta unterwegs und nun auch auf Gavdos gestrandet.

Der Garten war wunderschön und hatte, in meinen Augen, viel Potenzial, um ihn in einen schönen und nützlichen Ort zu verwandeln. Ich sage hatte, denn einige Tage später, als wir Michal erneut auf der Straße trafen, erzählte er, dass er aus dem Garten hinausgeworfen worden war. Einige der Griechen (obwohl der Garten definitiv Jahre lang nicht genutzt worden war!) hatten Anspruch darauf erhoben und gesagt, dass niemanden dort bleiben dürfte.

Wie Schade- sogar auf einer kleinen Hippie-Insel wie dieser, gibt es Streit aufgrund fadenscheiniger Besitzansprüche (einen Grundbucheintrag bzw. Grundstücksurkunden gibt es hier nicht….)und lautstarke Machtdemonstrationen. Anstatt das Projekt gemeinsam in Angriff zu nehmen, sich die Arbeit und die Freude daran zu teilen, wird aufgrund von Ego und Habgier eine Grenze gezogen.

Michal sah dies zum Anlass sich auf den Weg nach Hause zu machen und wir hoffen, dass er einen der letzten Flüge nach Polen bekommen hat!

Leider wird also aus dem großen Garten vorerst nichts, aber wir haben ein paar Samen retten können und versuchen damit nun, wenigsten ein paar Pflanzen hoch zu ziehen. Man muss allerdings besonders aufpassen, das die gefräßigen Ziegen davon nichts mitbekommen.

Ansonsten sind wir bei gutem Wetter viel umhergewandert. Die Strände Kefalos und Tripiti haben wir bereits gesehen und auch den alten Leuchtturm auf Gadvos schon bestaunt. Überall von der Insel hat man spektakuläre Ausblicke in alle Richtungen über das Meer oder auf Kreta. Die Ausblicke, wenn man das Meer auf beiden Seiten der Insel sieht, sind genial.

Die Wanderung zum südlichen Punkt Europas (im Mittelmeer!) war etwas ganz Besonderes. Auf einem kleinen Zipfel, steht ein riesiger Stuhl. Was das zu bedeuten hat weiß niemand so genau. Greek style eben. Aber es war ein tolles Gefühl für uns, auf diesem riesigen Stuhl zu sitzen und zu wissen, dass man Europa schon ziemlich weit durchkreuzt hat und zu reflektieren, wie weit wir schon gekommen sind…

Auch der Strand und das Wasser präsentierten sich an diesem sonnigen Tag in voller Farbenpracht. Bei diesem karibischen Anblick hielt uns nichts mehr und wir stürzten und in die Wellen.

Unsere kleine Wanderkatze hatte sich natürlich dem Ausflug angeschlossen. Allerdings hatte sie auf dem Rückweg ganz schön zu kämpfen und da wir sie nicht an einem fremden Ort zurücklassen wollten, mussten wir sie hin und wieder sogar ein Stück tragen (sonst wäre sie einfach im Schatten liegen geblieben). Auch Senta hatte mit dem steilen Weg, in Kombination mit der Sonne, gut zu tun. Aber meine treue und mutige Begleiterin liebt es neue Orte zu entdecken und ich denke noch gar nicht daran, sie bei Wanderungen nicht mitzunehmen.

Ja so vertreiben wir uns hier die Zeit. Wenn das Wetter gut ist, ist es wirklich gut auszuhalten hier. Martin war schon einige Male windsurfen, wenn es gepasst hat. Leider herrscht derzeit auch hier wechselhaftes Wetter, weshalb wir viel im Auto hocken. Das senkt die Moral doch etwas. Da die Reisefreiheit aber in ganz Europa und auf Kreta insbesondere (es herrschen strenge Auflagen, um sich im Auto von A nach B zu bewegen und eine generelle Ausgangssperre) gelten, versuchen wir so lange wie möglich hier zu bleiben. Hier dürfen wir uns immerhin frei bewegen, mit dem Hund durch die Dünen streifen und wild campen.

Allerdings ist uns das Bargeld ausgegangen, wir hatten schließlich nicht damit gerechnet hier festzusitzen während außerhalb der Insel die Welt so verrückt spielt. Einen Geldautomaten gibt es hier nicht, ebenso wenig wie eine Tankstelle. Da auch unser Gas aufgebraucht ist, müssen wir uns schon ganz schön umstellen. Wir hoffen auf deutlich besseres Wetter, dann könnte unsere Solaranlage den Kühlschrank wenigstens tagsüber schaffen. Einen Gaskocher hat und Jorgos geliehen und im Minimarkt im Dorf dürfen wir auf Pump einkaufen und das Geld online überweisen.

Eventuell haben wir jetzt sogar eine Möglichkeit gefunden Lebensmittel von Kreta per Schiff herbringen zu lassen, dies wäre deutlich günstiger, denn der Minimarkt hat gepfefferte Preise (so ca. 50 Euro für ein Kilo Tomaten, ein paar Bananen und Äpfel, zwei Packungen Nudeln, ein paar Eier und zwei Dosen mit Pilzen oder Mais oder ähnlichem und ein Stück Käse). Viel mehr Auswahl gibt es dann auch schon nicht mehr. Daher wären wir echt froh, wenn es mit der Lieferung aus Paleochora klappt.

Die ganze Situation und die Tatsache, dass wir tatsächlich erst mal festsitzen hat in den letzten Tagen doch etwas mehr an Schärfe bekommen. Ich liebe das Reiseleben, aber ich liebe auch meine Familie und Freunde und möchte sie gerne im Sommer mal wieder in die Arme schließen können. Daher hoffen wir natürlich auch darauf, dass sich die Lage wieder beruhigt und die Grenzen sich bald wieder öffnen.

Soweit erst mal von uns!

Bleibt gesund und bleibt daheim.

2 Kommentare

  • Zeneide Bauer

    Ihr seid so lange schon unterwegs und habt schon wahnsinnig viel erlebt…wie verdaut ihr dies alles??? In dem ihr im Jetzt lebt??? Super eure berichte , cool euer DASEIN in der EINFACHHEIT. Ich liebe euch sehr. Kuss Mama

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